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Von Generation zu Generation: Die Shoah aus der Sicht der Zweiten Generation - August 201

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres deutschsprachigen E-Newsletters, der sich dieses Mal mit der Bedeutung des Holocaust für die Zweite Generation beschäftigt.

Nachdem wir uns vor einem Jahr dem „Leben nach dem Überleben“ und damit dem Vermächtnis der Überlebenden zugewendet haben, möchten wir dieses Mal den Kindern der Überlebenden die Möglichkeit geben, über ihre Erfahrungen und die Spuren zu sprechen, die die NS-Vergangenheit in ihrem (Familien-) Leben hinterlassen haben. Auch wenn die Überlebenden oft nicht öffentlich über ihre Erfahrungen sprechen konnten und vor allem gegenüber ihren eigenen Kindern die Verletzungen und Traumata zu verbergen suchten, war doch auch deren Leben von den Erinnerungen ihrer Eltern an den Holocaust gezeichnet. In ihren Beiträgen berichten sie von ihrem Leben und vom Alltag in ihren Familien. Sie verdeutlichen die Auswirkungen der Traumatisierungen ihrer Eltern, die sich in kleinen Alltagssituationen äußerten, sich aber auch auf das Selbstverständnis ihrer Kinder auswirkten.Sie betonen aber auch die große Bedeutung, die die Weitergabe der Erinnerung an die Shoah auch für sie selbst, als Kinder von Überlebenden, hat.

Der Psychoanalytiker Kurt Grünberg beleuchtet in seinem Beitrag die Spätfolgen und transgenerationellen Wirkungen des Holocaust. Am Beispiel seiner eigenen Familiengeschichte lässt Grünberg die Leserinnen und Leser am Szenischen Erinnern der Shoah teilhaben, in dem sich Spuren vergangener Erfahrungen und gegenwärtiger Erinnerungskonstellationen zeigen.

Der israelisch-belgische Karrikaturist Michel Kichka hat die Beziehung zu seinem Vater, einem Überlebenden des Holocaust, zum Thema eines Comic-Buches gemacht. Im Interview mit Anna Stocker erzählt er von seiner Familiengeschichte und beschreibt, wie er die Perspektive der Zweiten Generation künstlerisch bearbeitet hat. Alon Less und die Autorin Bettina Stangneth sprechen über Avner Werner Less, der Adolf Eichmann im Vorfeld seines Prozesses verhörte. Im Zentrum des Gesprächs steht nicht nur die Lebensgeschichte von Avner Werner Less und seiner Frau Vera, sondern vor allem die Frage, wie sich deren Erfahrungen der Flucht aus und der Wiederbegegnung mit Deutschland auch auf den Lebensweg und das Selbstverständnis ihres Sohnes ausgewirkt haben. Dabei wird auch deutlich, dass nicht nur das Trauma, sondern auch etwas vom Erbe der verlorenen Heimat in der Diaspora an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wurde. Wie sich aber das Judentum in Deutschland nach der Shoah entwickelte, und wie stark die Erfahrung der Shoah die Identität von in Deutschland lebenden Juden bis heute prägt, ist Gegenstand des Beitrags von Awi Blumenfeld, der darin aber auch nach den positiven Werten des Judentums jenseits der Erinnerung an den Holocaust fragt.

Wir hoffen, dass wird mit diesem Fokus auf die Wahrnehmung des Holocaust und seiner Folgen aus der Perspektive der Zweiten Generation einen weiteren Beitrag zum Verständnis des historischen Geschehens und seines Weiterlebens leisten können. Die Erfahrungen der Kinder von Überlebenden zeigen, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist und, dass auch die Spätfolgen der Verbrechen in unsere (pädagogische) Bearbeitung des Themas einbezogen werden sollten. In Form von Filmen, Büchern, den für diesen Newsletter verfassten Beiträgen oder Michel Kichkas kürzlich auch auf Deutsch erschienenem Comic „Zweite Generation - Was ich meinem Vater nie gesagt habe“ (Egmond Verlag) liegen bereits einige Lebensberichte von Angehörigen der Zweiten Generation vor, die sich auch als Grundlage für die Bearbeitung des Themas im Unterricht und der Weiterbildung eignen.

Neben den thematischen Beiträgen zum Umgang der Zweiten Generation mit den Erinnerungen an den Holocaust enthält auch dieser E-Newsletter wieder Informationen und Hintergründe zu neuen Aktivitäten in Yad Vashem.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Herzlich,
Ihre Deborah Hartmann

 

Ein Gespräch zwischen Alon Less, Bettina Stangneth und Deborah Hartmann

Ein Gespräch zwischen Alon Less, Bettina Stangneth und Deborah Hartmann

Alon Less wurde 1949 als zweites Kind von Vera und Avner Werner Less in Israel geboren. Er wuchs in New York und Paris auf. Sein Vater, der in den 30er Jahren aus Berlin zunächst nach Frankreich und schließlich nach Palästina floh, verhörte 1961 Adolf Eichmann in Jerusalem. Die zahlreichen Notizen, die Avner Werner Less hinterließ, sind zusammen mit ausgewählten Briefen und Erinnerungen von Bettina Stangneth unter dem Titel „Lüge! Alles Lüge!“ zusammengefügt und veröffentlicht worden. Bettina Stangneth wurde 1966 geboren. Sie ist Philosophin und Autorin zahlreicher Werke und lebt in Hamburg
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Ein Gespräch mit Michel Kichka

Ein Gespräch mit Michel Kichka

Michel Kichka wurde 1954, als Sohn Überlebender der Shoah, in Belgien geboren. 1974 emigrierte er nach Israel. Michel Kichka ist ein bekannter Karikaturist und unterrichtet an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem. In diesem Jahr ist sein Buch „Zweite Generation - Was ich meinem Vater nie gesagt habe“ auf Deutsch erschienen. Michel Kichka beschreibt in dem Buch die Beziehung zu seinem Vater und wie die Vergangenheit der Eltern, sein Leben und das seiner Familie geprägt hat.
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Naftali Fürst – 50 Jahre hat er geschwiegen

Naftali Fürst – 50 Jahre hat er geschwiegen

Naftali Fürst wurde 1932 in Bratislava geboren. In der Hoffnung, der Deportation zu entgehen, entschloss sich die Familie 1942 in das Arbeitslager Sered umzusiedeln. 1944 gelang der Familie die Flucht in das von der deutschen Wehrmacht besetzte Piešťany. Dort wurden sie nach kurzer Zeit verhaftet und nach Sered zurückgeschickt, das inzwischen zu einem Konzentrationslager umgewandelt worden war. Im November 1944 wurde die Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Januar 1945 wurde Naftali Fürst auf den „Todesmarsch” nach Buchenwald geschickt. Seine Eltern, sein Bruder und er...
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Wie Phoenix aus der Asche der Shoah?

Wie Phoenix aus der Asche der Shoah?

Awi BlumenfeldEs wird als gegeben angesehen, dass die kollektive Erinnerung für die Konstruktion ethnischer, religiöser und struktureller Identität von ungemeiner Bedeutung ist. Laura Wacos, eine der ersten Vertreterinnen der sogenannten „Second Generation“, also jener Generation, die nach der Shoah geboren wurde, deren Leben aber dennoch von den traumatischen Erlebnissen der Eltern beeinflusst war, beschreibt, dass in Deutschland „von zu Hause“, also vom Leben vor und während der Shoah, „nichts erzählt“ wurde.1
Die „Ironie der Geschichte“,...
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Szenisches Erinnern der Shoah: Über transgenerationale Tradierungen extremen Traumas

Szenisches Erinnern der Shoah: Über transgenerationale Tradierungen extremen Traumas

Dr. phil. Kurt GrünbergDieser Beitrag beleuchtet aus der Perspektive der Opfer und deren Nachkommen die Spätfolgen und transgenerationalen Wirkungen des zentralen Geschehens des Nationalsozialismus, der systematischen Verfolgung und industriell betriebenen Vernichtung der Juden in Europa. Zunächst wird – und zwar sehr kursorisch in Form des Skizzierens einiger Vorannahmen, die für das Verständnis unseres Arbeitsansatzes wesentlich sind – auf die psychosozialen Spätfolgen der Nazi-Verfolgung auf Seiten der Überlebenden eingegangen (vgl. Grünberg 2000a und b, 2004a und b). Unter...
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Aufwachsen als Tochter von Shoah-Überlebenden

Aufwachsen als Tochter von Shoah-Überlebenden

Hava Wolf wurde 1932 in Wijnitz in der Bukowina geboren. 1939 wurde sie eingeschult, kurz darauf aber, wie alle anderen jüdischen Kinder, vom Schulbesuch ausgeschlossen. Als 1941 die Deportationen begannen, wurde die Familie zuerst in ein Ghetto in Transnistrien gebracht, von wo sie auf endlose Transportmärsche unter schrecklichen Bedingungen geschickt wurden. Hava Wolf und ihre Familie überlebten den Holocaust. Hava immigrierte 1947 nach Israel, wo sie heute als Künstlerin lebt. Sie ist mit Shimshon Wolf verheiratet und hat eine Tochter, Hedva Wolf-Ben Moshe. Im folgenden Artikel erzählt...
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Wo ist meine Familie!?

Wo ist meine Familie!?

Natali Herschel wurde in Israel als Tochter des Holocaustüberlebenden Tswi Herschel geboren. Im folgenden Artikel beschreibt sie die Auswirkungen der Geschichte ihres Vaters auf ihr Leben und das ihrer Familie. Ihr Vater, Tswi Herschel kam am 29. Dezember 1942 in Zwolle in den Niederlanden zur Welt. Im Januar 1943 musste die Familie ins Amsterdamer Ghetto ziehen. Im April 1943 konnte Tswi Herschel aus dem Ghetto geschmuggelt und bei einer siebenköpfigen christlichen Familie in Oosterbeek in Sicherheit gebracht werden. Im September 1944 wurde die Familie ausgebombt und musste zunächst nach Apeldoorn...
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