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Besucherinfo
Öffnungszeiten:

Sonntag bis Mittwoch: 9.00- 17.00 Uhr
Donnerstag: 9.00-20.00 Uhr*
Freitags und an den Abenden vor einem Feiertag: 9.00-14.00 Uhr

Yad Vashem ist an Samstagen und jüdischen Feiertagen geschlossen.

Das Museum zur Geschichte des Holocaust, das Kunstmuseum, der Ausstellungspavillon und die Synagoge sind bis 20.00 Uhr geöffnet. Alle anderen Einrichtungen schließen um 17.00 Uhr.

Anfahrt nach Yad Vashem:
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Szenisches Erinnern der Shoah: Über transgenerationale Tradierungen extremen Traumas

  1. Zur Problematisierung der Begriffe Holocaust, Shoah, dritter Churb’n, nationalsozialistische Judenvernichtung etc. vgl. Grünberg (2000a, 15f.).
  2. Im Sinne einer Abwehr dieser Angst existiert eine Projektion von Täterschaft auf die Juden, die auch als Angst vor Rache oder Bestrafung der Deutschen durch die Juden verstanden werden kann. Im antisemitischen Klischee der Macht der Juden erscheinen die Juden als Täter, denen die Deutschen zum Opfer fallen.
  3. Nachdem ich das Interesse meines Vaters für den Fußball assoziativ anführte, fiel mir doch auch ein tieferer Grund ein, weshalb mir dieser Einfall kam. Er hörte bzw. schaute sich die Spiele eher ruhig-gelassen an. Als ich ihn während eines Länderspieles einmal fragte, zu wem er eigentlich „halte“, meinte er etwas verlegen, er wünsche sich, dass „die Jeckes“ (die Deutschen) gewinnen. Seine Distanz wie seine Nähe zu ihnen war unausgesprochen ein beständiges Thema.
  4. Szenisches Erinnern von Überlebenden tritt, zumindest oberflächlich betrachtet, meistens „beiläufig“ in Erscheinung, wie etwa folgende Szene demonstriert, als eine Überlebende beim Kaffeetrinken ganz unvermittelt auf ihre Serviette weist und zu mir sagt: „Genau diese Farbe hatte mein Winterpullover, den ich immer zum Schlittschuhlaufen trug. Ich hatte ihn mitgenommen, als wir deportiert wurden, weil er mich so schön warm hielt. Gleich nach der Ankunft in Auschwitz wurde er mir abgenommen. Ich entdeckte ihn später wieder, allerdings an einer anderen Frau.“ Die „Beiläufigkeit“ dieser Szene ist aber zugleich eine scheinbare. Dies wird deutlich, wenn man die Vorgeschichte unserer Begegnung genauer analysiert. Die Überlebende hatte schon länger in mir ein Gefühl starker Schutzbedürftigkeit erzeugt. So war es für mich selbstverständlich, ihr mein Jackett zu überlassen, als wir einmal vom Regen überrascht wurden. In der Folge war ich gewissermaßen der „Ausgelieferte“, der keine Hilfe erfuhr. Damit konnte ich etwas wahrnehmen, was im Kontext des früheren Ungeschütztseins dieser Überlebenden von Bedeutung ist. Folgerichtig entdeckte sie eine Woche später also die Farbe der Serviette und erinnerte dabei den wärmenden Pullover, den man ihr in Auschwitz abgenommen hatte. Die scheinbare Beiläufigkeit entpuppt sich als bedeutsame Inszenierung einstmals erlebter Schutzlosigkeit.