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Öffnungszeiten:

Sonntag bis Mittwoch: 9.00- 17.00 Uhr
Donnerstag: 9.00-20.00 Uhr*
Freitags und an den Abenden vor einem Feiertag: 9.00-14.00 Uhr

Yad Vashem ist an Samstagen und jüdischen Feiertagen geschlossen.

Das Museum zur Geschichte des Holocaust, das Kunstmuseum, der Ausstellungspavillon und die Synagoge sind bis 20.00 Uhr geöffnet. Alle anderen Einrichtungen schließen um 17.00 Uhr.

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Die Geschichte einer Rettung der jüdischen Familie Mandil

Kriegsbeginn in Jugoslawien: Von Novi Sad nach Belgrad

«(...) Der 6. April 1941 war ein Sonntag, wir kamen aus Novi Sad, um Grossmutter und die Tanten in Belgrad zu besuchen. Dort erwischte uns die Bombardierung der Deutschen und der Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien. (...) Wir kamen (...) nur mit den Kleidern, die wir gerade trugen, wir wollten am nächsten Tag ja wieder zurückfahren, und dort erwischte uns die Bombardierung und so konnten wir erst nach fünf Jahren wieder nach Novi Sad zurückkehren. (...)

Und dann, dort in Belgrad, kamen all die Verordnungen und Erlasse gegen die Juden heraus (...). Mein Vater wurde zur Zwangsarbeit eingezogen. Anfangs musste er mit anderen Juden den Bombenschutt wegräumen (...). Das war schwere physische Arbeit (...). Manchmal bekam er einen Besen und eine grosse Mülltonne mit Rädern zum Strassenfegen, Pferdemist und all solche Sachen. Er ging herum, und da passierte es manchmal, dass er einen alten Bekannten traf, und es war peinlich, denn weder der Bekannte noch er selbst wussten, ob man sich grüssen oder sich ignorieren sollte, so tun als ob man sich nicht gesehen hätte. Das waren peinliche Momente, unangenehm, obwohl die Arbeit selbst ja physisch eher leicht war.

Oft habe ich meinen Vater angebettelt, ich wollte mit ihm zur Arbeit gehen. Ich war viereinhalb Jahre, noch keine fünf. Einige Male hat er mich wirklich mitgenommen, da bin ich mit ihm durch die Stadt gelaufen. Ich erinnere mich besonders daran, als er mich zu den Pferdestallungen der Deutschen mitnahm, und ich habe das sehr genossen. Als Kinder haben wir die Katastrophe, die über uns gekommen war, nicht ermessen und nicht begreifen können. Auch wir Kinder, meine Schwester und ich, mussten den Bestimmungen gemäss den gelben Stern tragen, einen gelben Davidstern vorne und hinten. (...) Ich war viereinhalb, meine Schwester war etwa drei. Ich kann mich noch daran erinnern, wie meine Mutter uns die gelben Davidsterne aufgenäht hat.»

Zeitzeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem 03.11543, Band Nr VT-2652f, S.7 (Übersetzung aus dem Hebräischen). 

Drohende Deportation: Flucht in den Kosovo

«(...) Meine Eltern begannen, sich um die Sache mit ihren Papieren zu kümmern, als der Befehl kam, dass alle sich an einem bestimmten Datum an einem bestimmten Platz einzufinden hätten (...) zur Deportation in ein Arbeitslager in Deutschland.

Viele Juden sagten damals, ok, wir werden im Lager arbeiten, und wenn der Krieg zu Ende ist, kehren wir wieder nach Hause zurück. (...) Mein Vater war damals wirklich so grossartig, zu sagen: Nein, das mache ich jetzt nicht mehr mit. (...) Wer sich dort meldet und in die Lager geschickt wird, der kehrt nicht zurück. (...) Und damals gab es den Erlass, wer sich nicht meldet und dabei erwischt wird, wird mit seiner gesamten Familie exekutiert.

Also, sogar Grossmutter sagte ihm: Hör zu, du bist nicht allein, du hast eine Frau und zwei Kinder, du kannst nicht für dich allein solche ideologischen Entscheidungen treffen im Namen der ganzen Familie, aber er bestand darauf. (...) Und nach diesem Familienstreit (...) haben sich unsere Wege geteilt: Die Kernfamilie – Vater, Mutter, meine Schwester und ich – teilte sich auf und kam einzeln bei nicht-jüdischen, christlichen Freunden unter, die sich darum kümmerten, dass wir gefälschte Papiere bekämen, mit denen wir als Christen Belgrad verlassen und in den Süden gelangen könnten. (...) Vater entschied, dass wir in den Kosovo oder nach Makedonien fliehen sollten, wohin die Deutschen noch nicht gekommen waren.»

Nach einiger Zeit der Trennung kommen die Familienmitglieder unter dem neuen, christlichen Familiennamen Mandicˇ auf dem Belgrader Bahnhof zusammen.

«Als wir [am Bahnhof] ankamen, – ich kam aus der einen Richtung
und sah Baba [Gavras Schwester] Hand in Hand mit einer mir unbekannten Frau aus der anderen Richtung kommen,
meine Mutter kam von der dritten Seite, starr wie eine Statue.

(...) Was ist denn das, dachte ich, freut sie sich nicht, mich zu sehen? Also wurde auch ich ganz starr wie auf einen Schlag gelähmt, und dann mein Vater, ich kann mich nicht an sein Gesicht erinnern, aber ich weiss noch, dass er (...) alles in die Hand nahm und uns in den Waggon hob. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir uns von unseren serbischen Begleitern so verabschiedet haben, wie es sich gehört hätte, aber da waren wir schon im Zug und setzten uns Richtung Süden in Bewegung.»

Zeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S. 8f.

Auf der Flucht in den Süden: Rettung durch ein Weihnachtsfoto

«(...) Plötzlich der Bahnhofslautsprecher: Mandicˇ Mirko mit Familie aussteigen und am Kontrollschalter zur Kontrolle melden.

Vater sagte: Kommt, sie rufen uns. Vater und Mutter stehen auf, nehmen Baba und mich bei der Hand, und wir steigen aus und gehen zu diesem Schalter, der eigentlich ein Grenzkontrollposten ist. Dort sagt uns ein deutscher Offizier: Du bist Jude. (...) 

Hier in deinem Ausweis steht, dass dein Vater David heißt, und David ist ein jüdischer Name und du bist Jude. Vater verstand sofort, worum es ging, aber er fragte Mutter: Was will er? – in so einem gleichgültigen Tonfall – Übersetz mir bitte. Mutter sprach gut deutsch und sagte: Entschuldigung, mein Mann versteht Sie nicht, also übersetze ich für ihn. Vater sagte, ok, verstanden, und fragte meine Mutter: Wo ist das Bild? – die paar Sekunden, die Mutter mit dem deutschen Offizier sprach, hatten ihm genügt, um sich zu fassen und eine Idee zu entwickeln.

Wo ist das Bild von den Kindern neben dem Weihnachtsbaum? Sie sagte: Hier, in der Brieftasche. (...) Vor dem Krieg, ein paar Monate vor Weihnachten, hatte Vater ein großes Schaufenster in seinem Studio eingerichtet, Foto-Royal in Novi Sad.

Er fotografierte uns (...), er hatte einen Weihnachtsbaum mit dem ganzen Schmuck organisiert, zog Baba und mich festlich an und fotografierte uns, wie wir neben dem Baum stehen und den Schmuck bewundern. Er hat dieses Foto auf ein Riesenformat vergrößert und in sein Schaufenster gehängt. (...) Und dann sagte er zu meiner Mutter: Wo ist dieses Bild? (...) Hier, bitte. (...)»

Der deutsche Offizier betrachtete das Weihnachtsfoto, während die Familie Mandil vor der Türe wartete. Schliesslich wurden sie aufgefordert, wieder in den Zug einzusteigen.

«Nachdem (...) [der deutsche Offizier] uns entdeckt hatte, bestieg er den Waggon, (...) kam zu uns, grüßte und zog aus seiner Tasche ein Bild mit zwei blonden deutschen Kindern neben einem Weihnachtsbaum. Er sagte: Das sind meine Kinder.

Vater entgegnete wieder seelenruhig: Ho, schöne Kinder, auch das Foto ist gut. Wissen Sie, ich bin Berufsfotograf, das ist eine schöne Aufnahme, wo haben Sie das machen lassen! – und dann grüßte er wieder, (...) drehte sich um, und tak tak tak verließ er den Waggon. Wieder der Pfiff vom Stationsvorsteher, und der Zug setzte sich in Bewegung. Ich (...) bin mir nicht sicher, ob er überzeugt war, dass wir keine Juden sind, oder dass trotz allem ein Funke Menschlichkeit in ihm erwacht war, als er dieses Foto von mir und Baba unter dem Weihnachtsbaum sah.

Aber Tatsache ist, dass wir (...) in die italienische Besatzungszone gelangten.»

Zeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S.11f.

Ankunft im Kosovo: vom Schulhaus ins Gefängnis

Gavra Mandils Familie gelang die Flucht aus dem deutsch besetzten Belgrad in den Kosovo, der damals unter italienischer Kontrolle stand. In Priština wurde die Familie mit vielen anderen jüdischen Flüchtlingen zunächst in einem Schulgebäude untergebracht, dann jedoch in einen für sie eigens evakuierten Flügel des Gefängnisses verlegt.

«Sie haben uns von einem Ende der Stadt, von der Schule, in das andere Ende der Stadt, in das Gefängnis gebracht, und zwar zu Fuss durch die Strassen der Stadt. Wachleute mit Gewehren (...) umringten uns auf einen Abstand von etwa eineinhalb Metern – immer ein Wachmann zwischen je zwei Leuten.

Das waren Italiener und Kosovaren aus der Gegend, die da auf uns aufpassten. Wir gingen durch die Strassen der Stadt.
Vom Strassenrand (...) waren alle möglichen Rufe zu hören, von Aufmunterungen und Händeklatschen bis Angespuckt-Werden und judenfeindlichen Ausrufen. (...) Auf mich als Kind machte das keinen grossen Eindruck, und das ist erstaunlich, aber es ist Tatsache, dass ich mich darüber überhaupt nicht aufregte. Was mich mehr mitnahm, war die Müdigkeit durch das lange Gehen, und der Schmerz in der Seite vom vielen Gehen. (...) Dann kamen wir im Gefängnis von Priština an – ein grosses Gebäude mit dicken Mauern.»

Zeitzeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S.13f.

Ankunft im Städtchen Kavajë, in Albanien: Das jüdische Kind Gavra Mandil, als Moslem eingeschult

«Im September habe ich Geburtstag, und da habe ich mit der ersten Klasse begonnen. Wirklich, ich bin in die erste Klasse gegangen, mit anderen Albanern, und in der Schule wurde ich als Moslem angemeldet (...), als Ibrahim Mala – das war mein muslimischer Name in Kavajë. (...) Ich ging in die Moschee, wo ich muslimische Gebete lernte, die ich bis heute auswendig kann, denn ich habe sie mit grösster Leichtigkeit und mit Genuss gelernt. (...) Als wir mit dem Religionsunterricht begannen, kam die Lehrerin und sagte: Alle Moslems aufstehen und hier in einer Reihe stehen, einer hinter dem anderen. Alle Moslems stehen auf und stellen sich in einer Reihe auf. Alle Christen aufstehen und in einer Reihe stehen, und ich sitze immer noch.

Ibrahim, träumst du? Oje, Verzeihung. Lauf zu deiner Reihe! Und ich renne zur Reihe mit den Christen. Ich hatte mich daran erinnert, dass wir Belgrad mit gefälschten Papieren verlassen hatten, [unter dem Namen] Mandicˇ , und plötzlich fällt mir ein: Nein, hier gehe ich doch in die Moschee (...). Was ist mit dir Ibrahim, du bist ja ganz durcheinander? Nein, nein, ich bin Moslem. (...)

Keinen Fehler machen, nicht durcheinander geraten, nicht in die Falle tappen. Ich habe das nicht allzu schwer genommen, eher als Spiel, nur nicht durcheinander geraten, keinen Fehler machen, denn ich wusste, dass – Gott behüte – ein solcher Fehler meinen Eltern das Leben hätte kosten können.»

Zeitzeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S. 23f.

Albanien unter deutscher Besatzung – eine Freundschaft entsteht

Nachdem Italien im September 1943 kapitulierte, übernahm die deutsche Wehrmacht die Kontrolle in Albanien. Noch bevor die deutschen Truppen das Städtchen Kavajë erreichten, floh Gavra Mandils Familie in die Stadt Tirana in der Hoffnung, in einer Grossstadt leichter untertauchen zu können. Tatsächlich stiessen Gavras Eltern bei ihrer Suche nach einem Versteck auf ein Fotostudio, das von einem ehemaligen Gehilfen des Grossvaters geführt wurde. Er erkannte Mosche und Ela und bot ihnen und ihren Kindern Unterschlupf an. Gavras Vater begann, im Studio zu arbeiten. Im selben Studio arbeitete auch ein junger Albaner, Refik Veseli. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zum Schüler Mosche Mandils.

«Es kamen viele, viele Leute, um sich fotografieren zu lassen.
Unter den vielen Klienten (...) befand sich sogar ein ausgesprochen hoher Prozentsatz von deutschen Offizieren, die in Tiranë oder der Umgebung stationiert waren. Sie kamen, um sich fotografieren zu lassen – mein Vater fotografierte sie und sicher wurden viele dieser Bilder während des Krieges an die Familien in Deutschland geschickt (...).

Wenn mein Vater fotografierte, stand er hinter der Kamera, unter dem schwarzen Tuch (...), und Refik verhandelte mit dem Klienten. Er stellte die Scheinwerfer ein, genau nach den Anweisungen, die mein Vater ihm gab (...). Und der deutsche Offizier zum Beispiel, der sich da fotografieren ließ, hatte keine Ahnung, dass sich unter dem schwarzen Tuch ein jüdischer Flüchtling aus Serbien befand. (...) Zwischen meinem Vater und Refik entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Refik fand natürlich in meinem Vater den großen Fotografen, von dem er lernen konnte, (...) und mein Vater mochte Refiks Fleiß, seine Klugheit und seinen Scharfsinn (...).

Und so ging das Leben in Tiranë unter deutscher Besetzung wieder einige Monate dahin. Dann aber zogen die Deutschen straffere Seiten auf gegenüber den Albanern und auch gegenüber den wenigen Juden, die noch in Tiranë herumliefen. Sie fingen mit Razzien von Haus zu Haus an (...). Es kamen Anordnungen heraus, dass die Juden, die noch hier seien, sich da und da melden müssten.»

Zeitzeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S.27f.

Flucht aus der Grossstadt nach Krujë (Albanien): Aus Freundschaft wird Hilfe

«[Als es] zu gefährlich wurde, in Tiranë zu bleiben, schlug Refik vor, uns in das Haus seiner Eltern in Krujë zu bringen. Im Nachhinein erfuhr ich, (...) dass ein Familienrat gehalten wurde (...), an dem Refiks Vater Vesel Veseli, Refiks älterer Bruder Hamid und seine ältere Schwester Hyrije teilnahmen. Das Thema, das auf der Tagesordnung stand, war nicht, ob die jüdische Familie Mandil gerettet werden sollte, sondern wie. Damals wurde beschlossen, dass Refiks Vater Vesel Veseli einige Esel nach Tiranë bringen würde und dass wir auf diesen Eseln von Tiranë nach Krujë reiten sollten. (...) Der Vater (...) ritt mit uns – er als erster und wir hinter ihm. Ich erinnere mich daran, dass wir einmal, obwohl er immer sehr darauf achtete, auf Seitenwegen zu reiten, gezwungen waren, eine Hauptstraße zu benutzen, und dort wurden wir tatsächlich von einer deutschen Patrouille angehalten.

Sie wollten unsere Papiere sehen. Wir zeigten ihnen unsere gefälschten Papiere, und ausgerechnet der Ausweis meiner Mutter gefiel ihnen nicht. Im Ausweis war ein Passfoto meiner Mutter: eine schöne, blonde Frau. Und sie (...) wollten sie sehen unter ihrem Schleier, denn Mutter ging verschleiert, wie es für albanische Frauen damals üblich war. Plötzlich entfuhr ihr so ein Schrei: Ahh, was wollt ihr von mir? Sie erschraken –  was für eine primitive Frau! – und ließen uns in Ruhe.»

Zeitzeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S.28f.

Ankunft in Krujë bei Familie Veseli

Die vierköpfige Familie Mandil sowie drei weitere Verwandte werden im Haus der Familie Veseli aufgenommen.

«Wir kamen an. In dem Haus wohnte Refiks Familie; seine Mutter, seine Schwestern und Brüder, jüngere und ältere als Refik.

Dann war da noch Refiks Grossvater, ein alter Mann, vor dem wir schrecklich Angst hatten, weil er weisse Augenbrauen hatte.

Er sass in der Mitte des Hauses und gab allen Anordnungen und Befehle, was zu tun sei. (...) Die Erwachsenen waren den ganzen Tag im Haus, manchmal gingen Vater und Josef nachts in den Hof um ein wenig frische Luft zu schnappen. (...) Baba und ich haben uns unter die vielen Kinder der Familie gemischt (...) – 15 oder 13 oder 18 Kinder – zwei mehr sind da nicht aufgefallen.

So waren Baba und ich frei und konnten den ganzen Tag tun, was wir wollten.»

Zeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd.S. 30.

Trennung von den Eltern und Befreiung

Im Herbst 1944 war es den Partisanen in Albanien gelungen, die deutschen Besatzer aus den meisten Dörfern und Städten zu vertreiben. Auch Krujë war bereits in der Hand der Partisanen, und die gesamte Dorfbevölkerung, darunter Familie Mandil, feierte ihre Befreiung auf dem Dorfplatz. Allerdings war diese Siegesstimmung verfrüht. Deutsche Truppen eroberten das Dorf zurück und begannen nun mit einer erbitterten Suche nach Partisanen, Kommunisten und Juden, indem sie jedes einzelne Haus durchsuchten.

«Bald werden die Deutschen kommen und uns abholen. Du und Baba, ihr geht und mischt euch unter die Kinder im Haus.

Aber bald wird der Krieg zu Ende gehen (...), und dann nimm Baba und geh mit ihr nach Belgrad zurück. In Belgrad suchst du deine Großmutter, Elisabeth Konfino (...). Wenn du nicht weißt, wie du sie finden sollst, wende dich an den ersten Polizisten, den du triffst und sag ihm, dass du deine Großmutter und deine Tanten suchst. Er wird dir helfen, sie zu finden. Lass niemals die Hand von Baba los, halte sie die ganze Zeit fest an der Hand.

Du bist der große Bruder, du musst auf sie aufpassen. Wiederhole, was ich gesagt habe. Wie ein Papagei wiederholte ich: Belgrad, Großmutter, Elisabeth Konfino, Tante Gisela Konfino, den ersten Polizisten fragen, er wird mir helfen, sie zu finden, niemals die Hand von Baba loslassen. In Ordnung, und jetzt geht raus. Baba und ich fingen an zu weinen und umarmten Vater und Mutter. Wir wollten uns nicht von ihnen trennen, und da ließ er einen Schrei los: Geht jetzt nach draußen und mischt euch unter die Kinder. Baba und ich rannten nach draußen, aber wir gingen in einen Toilettenverschlag, und dort saßen wir Arm in Arm den ganzen Tag, ohne auch nur einmal hinauszugehen (...). Etwa nach 24 Stunden gingen wir nach draußen, und ich wollte nachsehen gehen (...) – aus ganz natürlichem Antrieb ging ich zurück zu unserem Zimmer. Dort fand ich Vater und Mutter in genau derselben Haltung, in der sie waren, als wir uns getrennt hatten: Er sitzt, und sie steht hinter ihm, mit dem Reisebündel neben ihnen, ohne sich zu bewegen. Es stellte sich heraus, dass die Deutschen von Haus zu Haus gegangen waren, und als sie zu unserem Haus kamen, dachten sie, dass es völlig zerstört sei. (...) Vesel Veseli, Refiks Vater, sagte: Jetzt müssen wir Krujë verlassen. Er hatte Angst um uns, aber auch um seine eigene Familie, denn wenn sie uns entdeckt hätten, wäre auch seine Familie bestraft worden, vielleicht sogar hingerichtet. (...) Und da sagte er: Ok, jetzt reiten wir auf den Eseln nach Tiranë zurück.»

Die Familie Mandil wurde gerettet.

Zeugenaussage von Gavra Mandil, Archiv Yad Vashem, ebd. S. 32f