Lichtflecke - Frau sein im Holocaust

Weiblichkeit

Haare

Ich erinnere mich, dass wir in der Sauna nackt in einer Reihe standen. Sie rasierten uns die Köpfe, und ich wunderte mich - wo kommen denn all die Männer her? Wir erkannten uns nicht mehr.

Ich ging zu einem der jüdischen Wächter und fragte ihn, ob er für mich ein gutes Wort einlegen könne, damit meine Zöpfe verschont blieben. Er gab zurück, wenn ich einen Kopf hätte, würde das Haar nachwachsen, und wenn ich keinen Kopf mehr hätte, dann bräuchte ich auch kein Haar mehr.

Dita (Kurschner) Segal

Aus Dita (Kurschner) Segals Zeugenaussage, 2006
In dem zweiten Raum schor ein Heer von weiblichen Teenagern den Neuankömmlingen das Haar mit Scheren und Rasierern. Einige hinterließen die Geschorenen mit Schrammen und Schnittverletzungen, andere zerrten während des Schneidens an unseren Haaren. Das Mädchen, das sich mir widmete war keineswegs eine Friseuse, aber sie wollte einfach, dass ich vorzeigbar aussehe. Sie schien sich nicht zu erinnern wie gnadenlos ihr eigenes Haar geschoren wurde. Ich lächelte und flüsterte „Bog zaplac - Möge Gott dich belohnen”. Es kam wie selbstverständlich und drückte all meine Anerkennung für einen Menschen aus, der in den tiefsten Abgründen erschienen war und als helles Licht in der Dunkelheit erstrahlte.

Pearl Benisch
Aus: Pearl Benisch, Den Drachen besiegen, Jerusalem-New York: Feldheim, 1991 (englische Ausgabe)