Die Würzburger Juden unter dem Naziregime

Würzburg, 11. März 1933. Demonstration Hunderter von Bürgern gegen jüdische Geschäfte Würzburg, 11. März 1933. Demonstration Hunderter von Bürgern gegen jüdische Geschäfte
Würzburg am „Tag des Boykotts", 1. April 1933 Würzburg am „Tag des Boykotts", 1. April 1933
Würzburg, „Tag des Boykotts“, 1. April 1933. Ein SS-Mann steht vor einem jüdischen Kaufhaus. An dem blockierten Eingang  ruft ein Plakat mit den Worten „Kampf gegen Warenhäuser“ zum Boykott des Geschäftes auf Würzburg, „Tag des Boykotts“, 1. April 1933. Ein SS-Mann steht vor einem jüdischen Kaufhaus. An dem blockierten Eingang ruft ein Plakat mit den Worten „Kampf gegen Warenhäuser“ zum Boykott des Geschäftes auf
Würzburg, „Tag des Boykotts“, 1. April 1933. Ein SS-Mann steht vor einem jüdischen Geschäft. Auf dem Schild steht: „Der Warenhausjude hat den deutschen Kleinhändler ruiniert“ Würzburg, „Tag des Boykotts“, 1. April 1933. Ein SS-Mann steht vor einem jüdischen Geschäft. Auf dem Schild steht: „Der Warenhausjude hat den deutschen Kleinhändler ruiniert“

1933 gab es in Würzburg 2145 Juden, 2,1 Prozent der Stadtbevölkerung. Etwa zwei Drittel der Juden waren im Handel tätig. Die Gemeinde verfügte über zwei Synagogen (eine davon für Juden aus Osteuropa), ein Gemeindehaus, eine Mikwe und einen Friedhof. Das Würzburger Bezirksrabbinat umfasste 18 Gemeinden; Bezirksrabbiner war Sigmund Hannover. In der Gemeinde waren 7 Wohltätigkeitsvereine aktiv und an ihrer Seite 15 Stiftungen zur Unterstützung Bedürftiger. In Würzburg gab es Zweigstellen der Zionistischen Föderation, des Misrachi, des Keren Hajessod, des CV, des Bundes jüdischer Frontsoldaten, des Vereins für das liberale Judentum, der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, der Gesellschaft Mekor Chaim für das Studium der Torah, der Gesellschaft zur Ausbildung jüdischer Barmherziger Schwestern, des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der Bnei Brit-Loge und verschiedener Jugendvereine. Im Schuljahr 1932/33 besuchten 143 Schüler die jüdische Volksschule. In der Lehrerbildungsanstalt studierten im selben Jahr 100 Schüler, darunter 7 junge Frauen. Die Gemeinde besaß mehrere öffentliche Bibliotheken, darunter die der Lehrerbildungsanstalt, die wertvolle hebräische und jüdische Handschriften besaß.

Von Beginn der Naziherrschaft an wurden die Juden der Stadt angegriffen und erlitten Schäden an Leib und Besitz. Am 11. und 12. März 1933 brachen in Würzburg besonders heftige anti-jüdische Unruhen aus. Juden wurden grausam geschlagen, Fahrzeuge jüdischer Händler wurden konfisziert, und auf Befehl der Machthaber wurden jüdische Geschäfte geschlossen. Vier ortsansässige Rechtsanwälte wurden im selben Monat aus den Gerichten verbannt. Wegen des wirtschaftlichen Boykotts am 1. April 1933 und der Verdrängung der jüdischen Händler richtete die Gemeinde eine Ortsgruppe des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau ein, die materielle Unterstützung sowie Beratung und Anleitung in Fragen der Berufsausbildung und Auswanderung anbot.

Die Grundschule wurde erweitert, um die jüdischen Schüler aufzunehmen, die aus den öffentlichen Schulen ausgeschlossen worden waren.

Im Verlauf des Novemberpogroms, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, mussten die Würzburger Juden einen schweren Schlag erleiden. Fast 1000 SA-Männer überfielen die Häuser der Juden in der Stadt, zerstörten das Inventar und raubten Wertgegenstände. Jüdische Geschäfte wurden geplündert und zertrümmert. Die Würzburger Synagoge steckte man nicht in Brand, da sie zu nah an anderen Gebäuden stand, doch ihr Inventar wurde verwüstet und verbrannt. Die Torahrollen verschwanden. Später wurden einige versengte Pergamente im Hinterhof eines Würzburger Bürgers gefunden. Auch das Inventar der kleinen Synagoge wurde zerstört.

In den Jahren 1933 bis 1942 verließen 667 Juden Würzburg, um sich an anderen Orten in Deutschland anzusiedeln. Im selben Zeitraum wanderten 1649 Juden von Würzburg nach Amerika (667), nach Eretz Israel (270), nach England (208), Holland (107), Belgien (65) und in andere Länder aus. Diese Zahlen schließen auch Juden ein, die aus anderen Ortschaften in Deutschland nach Würzburg gekommen waren sowie auch Juden, die dort vor ihrer Deportation konzentriert wurden.

Anfang 1942 wurden die verbliebenen Juden aus ihren Häusern evakuiert und in ein Gebäude auf dem jüdischen Friedhof gepfercht. Juden, die aus anderen Orten in Franken nach Würzburg vertrieben worden waren, brachte man im jüdischen Krankenhaus unter. Alle Erwachsenen wurden zur Zwangsarbeit herangezogen.