Durch das Objektiv der Zeit
Kleine Ausstellungen aus den Yad Vashem Sammlungen

Arabischunterricht in Theresienstadt

Max Placek (1902-1944). Porträt von Dr. Mojzis Woskin-Nahartabi, Ghetto Theresienstadt 1943   Mehr Fotos

Dr. Mojzis Woskin-Nahartabi wurde am 16. Dezember 1884 in Russland geboren. Als bekennender Zionist hatte er Palästina besucht. Am 10. Februar 1923 gründete er die Privatschule „Techija" für hebräische Sprache und Literatur in Leipzig. Nahartabi war Professor für semitische Sprachen - Sumerisch, Hebräisch und Arabisch - in der Universität Halle [Anm.: seit 1933 als Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bekannt]. Wenige Jahre nach der Machtergreifung zog Nahartabi nach Prag und war dort als Hebraist tätig. Am 13. Juli 1943 wurde er mit Frau und Tochter aus Prag nach Theresienstadt deportiert. Das Ghetto Theresienstadt in der Tschechoslowakei, von den Nazis irreführend als „Altersghetto" oder „jüdische Mustersiedlung" bezeichnet, war im November 1941 eingerichtet worden. Unter den dort inhaftierten Juden waren ältere Menschen, Prominente aus dem gesamten Reichsgebiet, Bürger der Tschechoslowakei und mehrere tausend Niederländer und Dänen.

Dr. Nahartabi leitete in Theresienstadt einen Kurs für die Lehre der hebräischen Sprache und hielt auf Hebräisch Vorträge über Eretz Israel [Dt. Land Israel], die Entwicklung der hebräischen Sprache und das moderne Hebräisch. Trotz der schweren physischen Bedingungen und des Mangels an Lehrmaterial gelang es den Juden im Ghetto Theresienstadt, ein Bildungswesen aufrecht zu erhalten, das Sozialarbeit, jüdische Bildung und anderes umfasste. Es wurden Dokumente gefunden, die zeigen, dass Dr. Nahartabi auch literarisches Arabisch lehrte. Im Ghetto wurde Arabisch durch das Übersetzen von Wörtern aus dem Hebräischen ins Arabische und umgekehrt unterrichtet. Einige der Wörter beschrieben die harte Realität des Lebens im Ghetto, wie zum Beispiel „Leiden", „Armut", „Arbeiter" und „Angst". Die Schüler lernten aber auch positive Begriffe wie „Schönheit", „nützlich", „wunderbar". Zur Übung übersetzten sie ganze Kapitel der Bibel, z.B. die ersten Kapitel des Buches Genesis und die Geschichte von Jephtas Schwur (Buch der Richter, Kapitel 11-12). Es ist möglich, dass die Ghettoinsassen Arabisch lernten, weil sie annahmen, sie würden schließlich nach Eretz Israel gelangen, das einen großen arabischen Bevölkerungsanteil hatte.

Dr. Nahartabi wurde am 19. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet.


Auszüge aus Arabisch-Lehrbüchern aus dem Ghetto Theresienstadt


Quellen

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