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Öffnungszeiten:

Sonntag bis Mittwoch: 9.00- 18.00 Uhr
Donnerstag: 9.00-20.00 Uhr*
Freitags und an den Abenden vor einem Feiertag: 9.00-14.00 Uhr

Yad Vashem ist an Samstagen und jüdischen Feiertagen geschlossen.

Das Museum zur Geschichte des Holocaust, das Kunstmuseum, der Ausstellungspavillon und die Synagoge sind bis 20.00 Uhr geöffnet. Alle anderen Einrichtungen schließen um 17.00 Uhr.

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Besa – ein Ehrenkodex: Wie Albaner im Zweiten Weltkrieg Juden retteten

«Stille Helden»

Zielgruppe: SchülerInnen der Klassen 7-10 
Entwurf einer Unterrichtseinheit von Sabina Brändli und Eva Pruschy, Pädagogische Hochschule Zürich

In Albanien lebten vor 1933 200 Jüdinnen und Juden. Während des Holocaust fanden schätzungsweise zwischen 600 und 1.800 jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, Serbien, Griechenland und Jugoslawien in Albanien Zuflucht. 
69 Albanerinnen und Albaner wurden für ihre Unterstützung als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Die Unterstützung, die den Jüdinnen und Juden entgegengebracht wurde, war begründet in dem Ehrenkodex Besa, was wörtlich „ein Versprechen halten“ bedeutet. Jüdinnen und Juden zu helfen, wurde als Angelegenheit nationaler Ehre verstanden.

In den pädagogischen Handreichungen, die auf der Basis von ausgewähltem Material der gleichnamigen Ausstellung zusammengestellt wurden, geht es um die albanische Familie Veseli die der jüdischen Familie Mandil während der Shoah das Leben rettete.

Unterrichtsvorschlag zur Besa – Ausstellung 

Stille Helden auf dem Balkan als Thema in Schweizer Schulen?
Einleitende Gedanken zum Unterrichtsvorschlag

Auf den ersten Blick mag das Thema weit hergeholt erscheinen: Gehören diese Geschichten in der Schweiz überhaupt in die Schulstuben? Sind Rettergeschichten von Menschen, die auf dem Balkan einst «richtig handelten, als fast alle das Falsche taten», wie es in der Werbung zur Ausstellung heisst, hier bei uns ein geeigneter Schulstoff? Sind nicht prinzipiell die stillen Helden in der Schweiz von damals vorzuziehen, bekannte wie Paul Grüninger und Carl Lutz oder gänzlich unbekannt gebliebene? Im Folgenden sollen die Chancen skizziert werden die der Unterrichtsvorschlag zum Thema der Besa-Ausstellung bietet. Die Grenzen des Vorschlages liegen auf der Hand: Die Unterrichtseinheit kann die Erarbeitung des Themas Holocaust im Geschichtsunterricht nicht ersetzen. Sie ist als Ergänzung und Vertiefung einer Auseinandersetzung mit dem Holocaust konzipiert und setzt voraus, dass die grundlegenden Kenntnisse bereits erarbeitet wurden. Solange die Ausstellung in erreichbarer Nähe gastiert, bietet sich eine kleine Exkursion an.

Andernfalls können Fotos und Informationen vom Internet bezogen und im Klassenzimmer bearbeitet werden. Der Unterrichtsvorschlag eignet sich für eine Doppellektion in den Fächern Geschichte, Deutsch oder Religion und Kultur sowie in erweiterter Form für Projektunterricht, insbesondere im Rahmen von Anlässen zum Holocaust Gedenktag.

Welche Gelegenheiten bieten stille Helden für das historische, politische und soziale Lernen? Der Holocaust ist kein beliebiger Schulstoff, der mit dem Lesen eines Kapitels im Geschichtsbuch abgehandelt werden könnte. Verbauen nicht Voreinstellungen und Abwehrhaltungen den Zugang, bedeutet eine Auseinandersetzung immer auch ein Ringen mit der eigenen Identität: Welcher Gruppe fühle ich mich nahe, von welcher grenze ich mich ab? Angesichts der Dimensionen des Massenmordes ist dieser Prozess unweigerlich durch Schuldgefühle erschwert und provoziert häufig Abwehrreflexe.

Bei der Erarbeitung des Themas bietet weder die Gruppe der Täter noch diejenige der Opfer unproblematische Identifikationsmöglichkeiten.

Jugendliche, die sich auf das belastete und belastende Thema einlassen, beschäftigt gezwungenermassen die drängende Frage «Wie hätte ich damals gehandelt?», auch wenn es darauf prinzipiell keine Antwort geben kann. Es entlastet, weder die Täter noch die Opfer in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Rettergeschichten ermöglichen eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust, ohne Schuldgefühle oder Abwehr zu erzeugen und setzen einer bekannten Perspektive eine inspirierende Alternative entgegen. Sie ermöglichen allen Jugendlichen, unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund ein Nachdenken über die Handlungsspielräume gewöhnlicher Menschen.

Weshalb Albanien? Welche Vorteile bieten Rettergeschichten aus einem entfernten geografischen Raum? Die bisher weitgehend unbekannt gebliebene Rettung von Juden in Albanien zeigt einen Ausnahmefall. Nur in ganz seltenen Fällen gelangen in der Zeit des Nationalsozialismus in von Deutschen besetzten Ländern Rettungen von bedrohten Juden in grösserer Zahl. Die Helfer brachten sich selbst und ihre Familien in Lebensgefahr. Dies unterscheidet sie von Helfern, die gleichzeitig in der Schweiz jüdischen Flüchtlingen halfen. Menschen, die in Albanien trotzdem Bedrohten halfen, verdeutlichen mit ihrem Beispiel die Dilemmasituation, in der sich diese Retter befanden.

In Deutschland werden seit einigen Jahren spezielle Abwehrhaltungen gegenüber dem Thema Holocaust unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund diskutiert. Elke Gryglewski vom Haus der Wannsee-Konferenz etwa beobachtet in der Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte, dass Jugendliche aus Migrantenfamilien sich mit ihrer ethnischen und sozialen Identität nicht genügend wahrgenommen fühlen.  Dies dürfte auch auf die Schweiz zutreffen. Jugendliche mit Migrationshintergrund blicken unter Umständen anders auf den Holocaust. Eigene Erfahrungen der Diskriminierung können zu Opferkonkurrenz führen. Es ist deshalb entlastend, weder die Täter noch die Opfer in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Der Fokus auf eine Geschichte, die sich am Rande Europas abspielt, kommt beispielhaft einem Schritt auf die Geschichte dieser Jugendlichen gleich.

Voreinstellungen, Tabus, Vorurteile wirken sich, herkunftsbedingt oder nicht, bei der Thematisierung des Holocausts wie bei keinem anderen Thema auf die Lernbereitschaft aus. Es ist deshalb davon abzusehen, Jugendliche auf zu eng gefasste Schlussfolgerungen aus dem Gelernten auszurichten. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen wo immer möglich, d.h. vor allem im Einstieg und Abschluss der Lektion eigene Vermutungen, bzw. Erfahrungen und Gedanken einbringen können. Welche Schlussfolgerungen die Jugendlichen aus dem Thema der Ausstellung ziehen, soll ihnen überlassen bleiben. Werden sie den Schluss ziehen, dass es auch in extremen Situationen für gewöhnliche Menschen einen Handlungsspielraum gibt? Werden Sie bemerken, dass Religionszugehörigkeit einen Menschen nicht auf ein spezifisches Handeln festlegt? «Was nehmt ihr für euch aus dieser Ausstellung mit?» Die Abschlussfrage lässt es offen und verpflichtet sich damit dem selbstbestimmten Lernen.

Lernziele

  1. Die Schülerinnen und Schüler lernen die in der Ausstellung dokumentierte ausserordentliche Geschichte von Helfern kennen, welche in Albanien während des Holocaust Juden retteten.
  2. Anhand der Geschichte von Besa setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Handlungsspielräumen von gewöhnlichen Menschen und den Motivationen von Helfern/Rettern während des Zweiten Weltkrieges auseinander.
  3. Die Schülerinnen und Schüler reflektieren die Bedeutung der Besa-Geschichten für die kollektive und individuelle Identität.

Vorbereitung auf die Ausstellung im Klassenzimmer

Da für Lehrausgänge oft nicht viel Zeit zur Verfügung steht, kann eine Einführung ins Thema der Ausstellung bereits im Klassenzimmer durchgeführt werden. Dabei geht es darum, das Ausstellungsthema in den Kontext des bisher über den Holocaust Gelernten einzubetten und das Interesse der Jugendlichen für das Ausstellungsthema zu wecken.

Die Schülerinnen und Schüler betrachten gruppenweise die Bilder. Sie formulieren eine passende Bildlegende und äussern Vermutungen zu den porträtierten Personen: Wo leben sie? Warum werden sie porträtiert? Was scheinen sie uns sagen zu wollen?
Die Lehrperson ermuntert die Jugendlichen, Vermutungen zu den Fotos zu äussern. Gemeinsam wird daraus das Thema der Ausstellung erarbeitet.

Mögliche Frage an die Jugendlichen:
– In der Ausstellung geht es um eine beispiellose Gastfreundschaft der Albaner. Habt ihr grosszügige Gastfreundschaft selber schon erlebt oder ausgeübt? Wisst ihr etwas über Gastfreundschaft in Albanien heute?

Inhaltsverzeichnis

Bilder
Karte
Geschichte Albaniens 1900 – 1945
Informationen
Literatur und Material