Otto Weidt

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Otto WeidtOtto Weidt
Otto WeidtOtto Weidt
Otto Weidt mit seinen MitarbeiternOtto Weidt mit seinen Mitarbeitern
Die Angestellten der Werkstatt, 22. Januar 1942Die Angestellten der Werkstatt, 22. Januar 1942
Weidt mit Angestellten in der WerkstattWeidt mit Angestellten in der Werkstatt

Otto Weidt (geb. 2. Mai 1883), der aus dem Arbeitermilieu stammte, wurde durch seine fortschreitende Erblindung gezwungen, seinen Beruf als Tapezierer aufzugeben. Daraufhin eröffnete er in der Rosenthaler Straße 39 in Berlin-Mitte eine Werkstatt für Blinde, in der Besen und Bürsten hergestellt wurden. Nahezu alle seine Angestellten waren blinde, taube und stumme Juden. Sie wurden ihm vom jüdischen Blindenheim in Berlin-Steglitz vermittelt.

Als die Deportationen begannen, kämpfte Weidt furchtlos mit den Gestapo-Beamten um das Schicksal jedes einzelnen jüdischen Arbeiters. Er setzte als Mittel zur Überzeugung sowohl Bestechung als auch das Argument ein, seine Arbeiter seien „unverzichtbar", um die ihm von der Armee übertragenen Aufträge auszuführen zu können. Als die Gestapo einmal mehrere seiner Arbeiter verhaftet hatte, ging der selbst ernannte Beschützer der blinden Juden selbst zum Sammellager in der Grossen Hamburger Straße, wo die Juden bis zur Deportation inhaftiert waren und erreichte in letzter Minute ihre Freilassung.

Neben Blinden beschäftigte Weidt in seinem Betrieb auch gesunde jüdische Arbeiter. Dies war ausdrücklich verboten, da alle jüdischen Arbeiter durch das Arbeitsamt zugewiesen werden mussten, von dem sie normalerweise zur Zwangsarbeit eingeteilt wurden. Dennoch gelang es Weidt – durch eine Mischung aus Bestechung und List - die Bedenken des nationalsozialistischen Leiters des offiziellen Arbeitsamtes, Eschhaus, zu zerstreuen.

Das jüdische Mädchen Inge Deutschkron war unter den acht gesunden Juden, die in der Werkstatt arbeiteten. Als sie und ihre Mutter in die Illegalität gingen, um der Deportation zu entgehen, besorgte Weidt Inge Deutschkron „arische" Arbeitspapiere einer Prostituierten, die diese nicht selbst benötigte. Unglücklicherweise mussten die Papiere drei Monate später aufgegeben werden, da die Prostituierte von der Polizei verhaftet wurde.

Einer der aufsehenerregendsten Schritte Weidts war die Rettung eines jüdischen Mädchens aus einem Lager in Polen. Alice Licht und ihre Eltem waren in einem Nebenraum der Werkstatt untergebracht, verborgen hinter einer Wand von Besen und Bürsten. Als die Gestapo durch den Hinweis eines jüdischen Spitzels das Versteck entdeckte, wurde Alice Licht zunächst nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz und weiter nach Christianstadt deportiert (ein Nebenlager von Groß-Rosen).  Ihrem Bericht zufolge, reiste Otto Weidt in das Lager, um nach ihr zu suchen. Licht erzählte Yad Vashem, dass Weidt Pläne für ihre Flucht geschmiedet hatte, diese allerdings nicht umgesetzt wurden. Als die Insassen von Christianstadt auf den „Todesmarsch" geschickt wurden, gelang Licht die Flucht und sie kehrte nach Berlin zurück. Zu diesem Zeitpunkt war Weidts Wohnung bereits bei einem Bombenangriff zerstört worden, aber dennoch beherrbergte er sie bis Ende des Krieges. Alice Lichts Eltern kamen nicht zurück.

Am 7. September 1971 erkannte Yad Vashem Otto Weidt als „Gerechten unter den Völkern" an.


Dieser Text wurde dem „Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher” (Hrsg.: Daniel Fraenkel und Jakob Borut) entnommen