Baron Friedrich Carl von Oppenheim

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Baron Friedrich Carl von OppenheimBaron Friedrich Carl von Oppenheim

Baron Friedrich Carl von Oppenheim wurde am 5. Oktober 1900 in Köln geboren. Er war ein entfernter Nachkomme des deutsch-jüdischen Bankiers Salomon Oppenheim jun. (1772-1828), der gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Köln die berühmte Bank Sal. Oppenheim jun. & Cie. gegründet hatte. Die Bank spielte eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung des Rhein-Ruhrgebietes, besonders durch die Finanzierung von Eisenbahn- und Wasserstraßenbau und durch die Entwicklung der Kohle- und Stahlindustrie. Salomon Oppenheim jun.s Söhne Simon und Abraham wurden 1867 bzw. 1868 geadelt,
Simons Söhne, Albert und Eduard, traten 1858 bzw. 1859 zum Christentum über und heirateten nicht jüdische Frauen. Baron Friedrich Carl von Oppenheim und sein Bruder Waldemar, Salomon Oppenheim jun.s Urenkel, wurden von den Nationalsozialisten als „Vierteljuden“ oder „Mischlinge zweiten Grades“ eingestuft. Obwohl ihnen die Mitgliedschaft in der NSDAP und damit der Aufstieg in Macht- und Führungspositionen verwehrt war, durften „Vierteljuden“ ihre deutsche Staatsbürgerschaft behalten, in der Wehrmacht dienen und sich mit Deutschen verheiraten.

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden das Bankhaus Oppenheim in Köln und seine Mitarbeiter mit Schikanen aus den Reihen der NSDAP konfrontiert. Besonders tat sich dabei Baron Schröder hervor, der Führer der Gruppe der Privatbanken innerhalb der NSDAP und „Gauwirtschaftsberater“. Im Großen und Ganzen jedoch konnte die Bank ihre Geschäfte normal fortsetzen, abgesehen davon, dass sie 1938 ihren Namen in „Pferdmenge & Co“ ändern musste (nach Dr. Robert Pferdmenge, einem nicht zur Familie gehörenden Teilhaber, der seinen Namen zur Verfügung stellte).

Friedrich Carl von Oppenheim, der aus seiner Abneigung gegen den Faschismus nie einen Hehl gemacht hatte, wurde ab 1938 von der Gestapo überwacht. Dennoch genoss er einigen Schutz aufgrund seiner für die Wirtschaft unverzichtbaren Geschäftsverbindungen ins Ausland. Wie sein älterer Bruder Waldemar wurde er nach Ausbruch des Krieges in die „Abwehr“ von Admiral Canaris eingebunden und hatte damit das Recht auf Sonderpässe und praktisch unbegrenzte Reisemöglichkeiten ins Ausland.

Auch nach der Machtübernahme hielt Baron von Oppenheim enge Geschäftskontakte und freundschaftliche Beziehungen zu Juden aufrecht, ungeachtet der Propaganda der Nationalsozialisten und seiner eigenen gefährdeten Stellung als „Mischling“. Als er 1938 erkannte, dass die Juden in unmittelbarer Gefahr waren, drängte er die Familien Griessman und Lissauer, mit denen er enge Geschäftsbeziehungen unterhielt, Deutschland zu verlassen. Er half ihnen zu emigrieren und ihre Metallherstellungsunternehmen in Den Haag und Amsterdam neu aufzubauen. Auch nach ihrer Emigration hielt er den Kontakt mit ihnen aufrecht.

Im Mai 1940 brachte der deutsche Überfall auf die Niederlande von Oppenheims jüdische Freunde wieder in Gefahr, aber er war nicht bereit, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Im September 1940 gelang es ihm schließlich, Ausreisevisa für sie von den Niederlanden nach Portugal und von dort weiter nach Südamerika zu bekommen. Er reiste persönlich in die Niederlande, um sich von seinen Freunden zu verabschieden und die Einzelheiten ihrer Flucht zu arrangieren. Am 7. September 1940 fuhr ein deutscher Sonderbus, der von Offizieren der „Abwehr“ befehligt wurde, vor dem Domizil der Lissauers in Minerva Plein Nr. 4 in Amsterdam vor und brachte sie zusammen mit der Familie Griessman - insgesamt elf Personen - durch das besetzte Belgien und Frankreich an die spanische Grenze bei Irun in Sicherheit. Von Spanien fuhren sie mit dem Zug weiter nach Portugal und von dort per Schiff nach Brasilien.

Als die Deutschen 1942 begannen, die niederländischen Juden zu deportieren, beteiligte sich von Oppenheim an einem weitgehend erfolglosen Versuch, die jüdischen Angestellten der Firma Oxid in Amsterdam zu retten. Das Unternehmen, das früher den Familien Griessman und Lissauer gehört hatte,
war 1940/41 vom Bankhaus Oppenheim - inzwischen Pferdmenge & Co – in Partnerschaft mit einer weiteren deutschen Firma übernommen worden. Da die Firma Oxid Metalllegierungen herstellte, die für die deutsche Rüstungsindustrie wichtig waren, genossen ihre jüdischen Angestellten – zum größten Teil deutsche Juden, die nach Holland geflüchtet waren - einen relativ geschützten Status. Diese Tatsache wurde von von Oppenheim benutzt, um gegen ihre Deportation zu argumentieren. Er wandte sich dabei auch an andere Institutionen, zu denen er Verbindungen hatte, wie die Reichsbank und das Rüstungsministerium. Seine Bemühungen zerschlugen sich jedoch aufgrund der Intensivierung der antijüdischen Maßnahmen in den Niederlanden fast völlig. 1943 ging von Oppenheim persönlich zu Aus der Funten, dem SS-Leiter in den Niederlanden, und bat um die Freistellung von Dr. Hugo Weil, dem früheren jüdischen Direktor von Oxid, der in Westerbork inhaftiert war und deportiert werden sollte. Es war vergeblich: Dr. Weil wurde einem Transport nach Bergen-Belsen zugeteilt und kam dort um. Am Ende überlebten von schätzungsweise achtzig jüdischen Arbeitern der Oxid nur zehn den
Holocaust.

Es gibt auch zahlreiche Dokumente über von Oppenheims Bemühungen zur Rettung weiterer Juden, die entweder versteckt lebten oder schon verhaftet waren. So schickte er im November 1941 seinen Schweizer Angestellten Ernst Gut in die Schweiz, nur damit er Freunde in New York anrufe, die Geld für die Einreisevisa einiger Juden auftreiben sollten. Von Oppenheim half auch dem Kölner Polizeichef Karl Winkler, der aufgrund seiner jüdischen Abstammung Anfang 1944 mit seiner Familie in den Untergrund ging - bis er selbst im September verhaftet wurde.

Zur Verhaftung von Oppenheims, der schon lange ins Blickfeld der Gestapo geraten war, kam es im Gefolge des gescheiterten Attentats auf Hitler im Juli 1944. Er wurde ins Gefängnis geworfen und sollte unter der Anklage des Verrats vor Gericht gestellt werden. Um etwas gegen ihn in der Hand zu haben, fabrizierte die Gestapo im August 1944 gefälschte Beweise, dass seine Mutter jüdischer Abstammung sei, und er daher als „Halbjude“ bzw. „Mischling ersten Grades“ zu behandeln sei. Dies allein hätte sich schon verhängnisvoll auf den Verlauf des Prozesses auswirken können. Glücklicherweise zog sich die Untersuchung bis zum Ende des Krieges hin, und von Oppenheim konnte im Gefängnis überleben, bis er von den Amerikanern befreit wurde.

Nach dem Krieg nahm das Bankhaus Oppenheim, das 1947 seinen ursprünglichen Namen wieder annahm, seine Geschäfte von neuem auf, und wurde zu einem der größten privaten Bankkonzerne in der Bundesrepublik Deutschland.

Am 10. Oktober 1996 erkannte Yad Vashem Baron Friedrich Carl von Oppenheim als „Gerechten unter den Völkern“ an.