Hilferuf an Sotirios

Yiorgos & Magdalini Mitzeliotis
Stefanos & Magdalini Korfiatis

Griechenland

Magdalini Mitzeliotis mit Maurice Leon, 1998Magdalini Mitzeliotis mit Maurice Leon, 1998
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Im April 1943, als die Deportation der Juden von Saloniki bereits im Gange war, erhielt Yiorgos Mitzeliotis, der Bürgermeister des Dorfes Glossa auf der Insel Skopelos, ein Telegramm von seinem Freund Jacques Leon. Die Formulierung war etwas merkwürdig, und es war an „Sotirios Mitzeliotis“ adressiert. Es gab im ganzen Dorf niemanden, der so hieß, aber da Yiorgos der einzige war, der diesen Nachnamen trug, wurde das Telegramm an ihn ausgehändigt. „Sotirios“ ist  ein verbreiteter Name in Griechenland, aber es bedeutet auch „Retter“.  Yiorgos verstand, dass Leon in Schwierigkeiten steckte. So  steckte er einen gefälschten Personalausweis ein und fuhr nach Saloniki, um sich mit seinem Freund zu treffen. Mitzeliotis reiste mit Leon zunächst nach Epanomi, 50 km von Saloniki, und von dort aus mit dem Segelboot nach Glossa. Die Reise dauerte mehrere Tage, und es bestand ständig Gefahr, von deutschen Patrouillen gefasst zu werden. Im Dorf angekommen, wurde Leon von Magdalini, Yiorgos Frau, sowie von seinem Schwager Stefanos Korfiatis und seiner Frau, Yiorgos Schwester, die ebenfalls Magdalini hieß, herzlich willkommen geheißen. Sie kümmerten sich gut um ihn und sorgten für all seine Bedürfnisse. Auf Leons Bitte reiste Mitzeliotis nach Athen, das sich zu diesem Zeitpunkt in der italienischen Zone befand, um nachzusehen, wie es Leons Familie ging. Er kam zurück mit der Nachricht, es gehe ihnen gut. Doch nach September 1943, als die Deutschen die Hauptstadt besetzten, änderte sich die Situation in Athen, und nun waren die Juden in Gefahr - besonders die Flüchtlinge aus Saloniki und anderen Orten, die, wie Leons Familie, obdachlos und bettelarm waren.

Mitzeliotis und Korfiatis beschlossen, alle Mitglieder von Leons Familie ins Dorf zu bringen. Sie kamen im Oktober 1943 in Glossa an, und die 14 Familienmitglieder (Isaac Leon, Henriette Leon, Juda Leon, Victoria Leon, Nina Camhi geb. Leon, Nikos Leon, Jacques Leon, Elie Cohen, Jeanne Cohen, Maurice Leon, Berthe Matathia geb. Leon, Sarina Saltiel geb. Cohen, Isaac Roussos und Solomon Molho) wurden über die Hütten im Dorf verteilt, um keinen Verdacht zu erregen. Die Dorfleute teilten ihr dürftiges Essen mit ihnen und versorgten sie mit Trinkwasser. Ihre tatsächliche Identität wurde nicht entdeckt, und sie blieben bis zur Befreiung im Dorf.

Am 28. Mai 1981 wurden Yiorgos Mitzeliotis und seine Frau Magdalini sowie Stefanos Korfiatis und seine Frau Magdalini von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt.