Dr. Mohamed Helmy und Frieda Szturmann

Ägypten, Deutschland

Anna Boros Gutman (zweite von links) während Ihres Besuches in Berlin mit Ihrer Tochter Carla (ganz links), Dr. Helmy und seiner Frau Emmi (rechts), 1969Anna Boros Gutman (zweite von links) während Ihres Besuches in Berlin mit Ihrer Tochter Carla (ganz links), Dr. Helmy und seiner Frau Emmi (rechts), 1969

Dr. Mohamed Helmy wurde 1901 als Kind ägyptischer Eltern in Khartoum geboren. 1922 ging Helmy nach Deutschland, um Medizin zu studieren, und ließ sich in Berlin nieder. Nach Absolvierung seines Studiums arbeitete er am Robert Koch Institut in Berlin, wurde jedoch 1937 entlassen (eine Untersuchung des Robert Koch Instituts im Jahr 2009 ergab, dass das Institut tief in die Gesundheitspolitik der Nazis verstrickt war). Laut der nationalsozialistischen Rassentheorie wurde Dr. Helmy als „Hamit“ oder „hamitisch“ (Nachkomme Hams, eines Sohnes Noahs) definiert – ein Terminus, der aus der Rassenkunde des 19. Jahrhunderts übernommen worden war und mit dem die Ureinwohner Nordafrikas, des Horns von Afrika, des südlichen Arabien und des alten Ägypten bezeichnet wurden. Als „Nichtarier“ durfte Dr. Helmy nicht im öffentlichen Gesundheitswesen tätig sein. Auch konnte er seine deutsche Verlobte nicht heiraten. 1939 wurde er zusammen mit anderen ägyptischen Staatsangehörigen verhaftet, ein Jahr später jedoch aus Gesundheitsgründen wieder freigelassen.

Obwohl ihn das Regime im Visier hatte, erhob Helmy seine Stimme gegen die Politik der Nazis und riskierte ungeachtet der großen Gefahr sein Leben, um seinen jüdischen Freunden zu helfen. Als die Deportation der Berliner Juden begann und die 21jährige Anna Boros (nach dem Krieg „Gutman“), eine Freundin der Familie, ein Versteck brauchte, brachte Helmy sie zu einer Hütte, die er im Berliner Stadtteil Buch besaß. Diese blieb bis zum Ende des Krieges ihr Zufluchtsort. Zu Zeiten der Gefahr, wenn er unter polizeilicher Überwachung stand, sorgte Helmy dafür, dass sie sich anderswo verstecken konnte. Nach dem Krieg schrieb Anna Gutman: „Ein guter Freund unserer Familie, Dr. M. Helmy… verbarg mich vom 10. März 1942 bis  nach Beendigung der Kampfhandlungen in seiner Laube in Berlin-Buch. Ich hatte ab 1942 keine Verbindungen mehr mit der Aussenwelt. Der Gestapo war der Name Dr. M. Helmy als behandelnder Arzt der Familie bekannt, ebenso wie die Existenz seiner Laube in Berlin-Buch. Allen Nachforschungen der Gestapo ging er jedoch geschickt aus dem Wege. Mehrmals brachte mich Dr. Helmy während dieser Zeit für einige Tage zu Bekannten, und ich galt dann als seine Nichte aus Dresden. Wenn die Gefahr vorüber war, kehrte ich wieder in die Laube zurück… Was Dr. Helmy für mich tat, war selbstlos und ich werde ihm stets dankbar sein.“

Helmy half auch Anna Gutmans Mutter Julie, ihrem Stiefvater Georg Wehr und ihrer Großmutter Cecilie Rudnik. Er versorgte sie und kümmerte sich um ihre medizinischen Bedürfnisse. Er sorgte dafür, dass sich Cecilie Rudnik in der Wohnung Frieda Szturmanns verstecken konnte. Über ein Jahr lang versteckte und beschützte Frau Szturmann die ältere Frau und teilte ihre Essensrationen mit ihr.

Ein Augenblick großer Gefahr trat ein, als 1944 die Wehrs gefangen genommen wurden und beim Verhör preisgaben, dass Helmy ihnen half und dass er Anna versteckte. Helmy brachte Anna sofort zu Frieda Szturman, und nur dank seines Erfindungsreichtums gelang es ihm, der Bestrafung zu entgehen: er zeigte der Polizei einen Brief, den Anna ihm angeblich geschrieben hatte, aus dem hervorging, sie sei bei ihrer Tante in Dessau.

Dr. Helmy blieb in Berlin und konnte schließlich seine Verlobte heiraten. Er starb 1982, Frieda Szturman 1962.

Am 18. März 2013 wurden sie von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt. Die Holocaustgedenkstätte sucht nach den nächsten Familienangehörigen der Retter, um ihnen Urkunde und Medaille der Gerechten zu überreichen.