Albert Battel

Deutschland

Albert Battel wurde am  21.Januar 1891 in Klein-Pramsen in Schlesien (heute Prezynka in Polen) geboren. Er war einundfünfzig Jahre alt, Reserveoffizier und Rechtsanwalt in Breslau (heute Wroclaw), als er in Przemysl in Südpolen als Adjutant des örtlichen Militärkommandanten, Major Max Liedtke, stationiert wurde.

Als die SS am 26. Juli 1942 ihre erste große „Umsiedlungsaktion" gegen die Juden von Przemysl einleitete, befahl Battel in Absprache mit seinem Vorgesetzen, die Brücke über den Fluss San, den einzigen Zugang zum jüdischen Ghetto, zu blockieren. Das SS-Kommando wollte sich den Übergang auf die andere Seite erzwingen, aber der Oberfeldwebel, der den Befehl über die Brücke hatte, drohte das Feuer zu eröffnen, falls sie sich nicht umgehend zurückzögen. All dies geschah am hellichten Tage, vor den Augen der verblüfften Einwohner. Später am selben Nachmittag drang eine Armeeeinheit unter dem Befehl von Oberleutnant Battel in den abgesperrten Bezirk des Ghettos ein und brachte mit Lastwagen bis zu hundert Juden und ihre Familien in die Baracken der örtlichen Militärkommandantur. Diese Juden wurden dem Schutz der Wehrmacht unterstellt und so vor der Deportation in das Vernichrungslager Belzec gerettet. Die übrigen Ghettoinsassen, einschließlich des Vorsitzenden des Judenrates, Dr. Duldig, wurden in den folgenden Tagen „umgesiedelt".

Nach diesem Vorfall leitete die SS eine geheime Untersuchung über das unglaubliche Verhalten des Armeeoffiziers ein, der es gewagt hatte, sich ihr unter solch peinlichen Umständen entgegenzustellen. Es stellte sich heraus, dass Battel, obwohl er seit Mai 1933 der NSDAP angehörte, schon früher durch „judenfreundliches Verhalten" aufgefallen war. Vor dem Krieg war er vor ein Parteigericht zitiert worden, weil er einem jüdischen Kollegen einen Kredit gegeben hatte. Später, während seines Dienstes in Przlemysl, war er offiziell verwarnt worden, weil er den Vorsitzenden des Judenrates, Dr. Duldig, mit dem er in seinen Wiener Studienjahren befreundet war, mit Handschlag begrüßt hatte. Der ganze Vorfall zog die Aufmerksamkeit der obersten Ebenen der Nazihierarchie auf sich. Kein geringerer als Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, interessierte sich lebhaft für das Ergebnis der Untersuchung und schickte eine Fotokopie der belastenden Unterlagen an Martin Bormann, den Leiter der Parteikanzlei und Hitlers „Rechte Hand". Im Begleitbrief schwor Himmler, einer der gefürchtetsten Männer des Dritten Reiches, dass er den Rechtsanwalt sofort nach dem Krieg verhaften lassen würde.

All dies blieb Battel verborgen. 1944 wurde er wegen einer Herzkrankheit aus dem aktiven Dienst entlassen. Er kehrte nach Breslau zurück, wo er zum Volkssturm eingezogen wurde und später in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach seiner Entlassung ließ er sich in Westdeutschland nieder, durfte aber aufgrund des Urteils einer Entnazifizierungskammer nicht wieder als Rechtsanwalr arbeiten. Er starb 1952 in Hattersheim bei Frankfurt.

Battels mutiger Widerstand gegen die SS, ein in der Geschichte des Dritten Reiches einmaliger Vorgang, wurde erst lange nach seinem Tod bekannt, hauptsächlich durch die beharrlichen Bemühungen des israelischen Forschers und Rechtsanwalts Dr. Zeev Goshen.

Am 22. Januar 1981 erkannte Yad Vashem Albert Battel als „Gerechten unter den Völkern" an.


Dieser Text wurde dem „Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher” (Hrsg.: Daniel Fraenkel und Jakob Borut) entnommen