Rettung in einem Zirkus

Adolf und Maria Althoff

Deutschland

Maria und Adolf AlthoffMaria und Adolf Althoff
Irene Danner und ihre Schwester Gerda mit ihrer Großmutter Sessi Lorch. März 1932Irene Danner und ihre Schwester Gerda mit ihrer Großmutter Sessi Lorch. März 1932
Alice und Hans DannerAlice und Hans Danner
Maria Althoff im ZirkusMaria Althoff im Zirkus
Adolf Althoff im ZirkusAdolf Althoff im Zirkus
Maria Althoff im ZirkusMaria Althoff im Zirkus
Irene Danner mit den ZirkusleutenIrene Danner mit den Zirkusleuten

Adolf Althoff, der junge Erbe des berühmten Zirkus Althoff, dessen Familientradition bis ins 17. Jahrhundert zurück reicht, leitete den Zirkus während der Nazizeit. Der Zirkus führte sein normales Programm auch im Krieg weiter und reiste von einem Ort zum anderen. Im Sommer 1941 hielt er sich für eine größere Anzahl von Auftritten auf einem Festplatz in der Nähe von Darmstadt auf. Eine der Besucherinnen auf diesem Platz war ein junges Mädchen namens Irene Danner. Sie stammte durch ihre Mutter von der gefeierten deutsch-jüdischen Zirkusfamilie Lorsch ab, die sich im 19. Jahrhundert in Eschollbrücken bei Darmstadt angesiedelt hatte.  Obwohl ihm ihre jüdische Abstammung bekannt war, engagierte Althoff Irene, die selbst eine begabte Artistin war, unter einem falschen Namen für seinen Zirkus. Sie verliebte sich bald in einen anderen Artisten, den jungen Peter Storms-Bento, ebenfalls Mitglied einer berühmten Familie von Akrobaten und Clowns aus Belgien.

Außerhalb der  relativ geschützten Welt des Zirkus nahm die Vernichtungspolitik des NS-Regimes ihren Lauf. 1942 trat die Verfolgung der Darmstädter Juden in die neue, mörderische Phase ein. Am 20. März wurde die erste Deportation nach Lublin in Polen durchgeführt, der im September 1942 und im Februar 1943 zwei weitere folgten. Irene Danners geliebte Großmutter
gehörte zu den Deportierten, aber ihre Mutter und ihre Schwester konnten noch rechtzeitig entkommen und sich in den Zirkus Althoff retten, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden. Später schloss sich ihnen auch Irenes „arischer" Vater an, der von der Wehrmacht Sonderurlaub unter dem Vorwand erhalten hatte, die Scheidung von seiner jüdischen Frau in die Wege leiten
zu wollen.

Während des Krieges vier „Illegale" zu beschützen, war im günstigsten Fall ein höchst riskantes Unternehmen, obwohl die relative Abgeschlossenheit der Zirkusgruppe einigen Schutz vor neugierigen Augen bot. Das Ehepaar Althoff musste jederzeit mit der Möglichkeit einer Denunziation durch einen unzufriedenen Angestellten rechnen. Einmal trat dieser Fall auch ein, aber dem gerissenen Zirkusdirektor, der rechtzeitig durch einen guten Freund gewarnt worden war, gelang es, die Aufmerksamkeit der Gestapo-Beamten mit einigen Gläsern Alkohol abzulenken. So verschaffte er den „Illegalen" Zeit, für eine Weile zu verschwinden.

Die Althoffs sorgten auch dafür, dass Irene bei der Geburt ihrer beiden Kinder die nötige medizinische Versorgung erhielt. Das war besonders schwierig, da sie beide Male einen Kaiserschnitt brauchte. Die Althoffs nahmen all dies ganz selbstverständlich auf sich, ohne irgendeine Bezahlung zu fordern, obwohl sie weder Irene Danner noch ihre Familie vor dem Krieg je getroffen hatten.

Am 2. Januar 1995 erkannte Yad Vashem Adolf und Maria Althoff als „Gerechte unter den Völkern" an.


Dieser Text wurde dem „Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher” (Hrsg.: Daniel Fraenkel und Jakob Borut) entnommen