Der Museumskomplex

Der Museumskomplex

Das Kunstmuseum

Yad Vashem besitzt weltweit die größte und vielfältigste Kollektion von Holocaust-Kunst. Sie enthält etwa 10.000 Werke, die überwiegend aus der Zeit des Holocaust stammen. Um diese Kollektion angemessen ausstellen zu können, wurde ein Kunstmuseum gebaut mit der freundlichen Unterstützung von Miri and Sheldon Adelson (USA), in dem ausschließlich Werke gezeigt werden, die während des Holocaust geschaffen wurden. Die Kunstwerke, die hier ausgestellt werden, präsentieren unterschiedliche Perspektiven auf den Holocaust – auf der Basis individueller Erfahrungen, und unter Benutzung eines Mediums, das nicht nur den Intellekt anspricht, sondern geradewegs zum Herzen durchdringt.

Bei seinem Eintritt in das Museum trifft der Besucher auf eine diagonale Wand, auf der eine Spannweite von Werken unterschiedlicher Künstler gezeigt wird. Die restlichen Räume sind thematisch angeordneten Ausstellungen gewidmet, die zum Beispiel das Bild des Menschen zeigen, oder Ansichten von Ghettos oder Lagern, von innen und von außen. Zusätzlich wurden drei Museumsbereiche allein dem Werk dreier Künstler vorbehalten: Charlotte Salomon, Bruno Schultz und Carol Deutsch.

Angrenzend an die Ausstellungshalle befindet sich das erste computerisierte Archiv und Informationszentrum zur Kunst und zu Künstlern des Holocaust. Dieses Zentrum wurde für den gelegentlichen Besucher geschaffen, der mehr über einen bestimmten Künstler erfahren möchte, dessen Werke er in der Ausstellung gesehen hat. Ebenso dient es dem Forscher, der Informationen für seine akademische Arbeit benötigt.

Wer während des Holocaust Kunstwerke schuf, tat dies unter Riskierung seines Lebens und zu einer Zeit, in der die dazu benötigten Materialien praktisch nicht existierten. Viele Künstler standen am Rande des körperlichen oder mentalen Zusammenbruchs und entbehrten die minimalsten Notwendigkeiten des täglichen Lebens. Trotz all dem wurde das Kunstwerk geschaffen und überlebte manchmal sogar dann, wenn, was meistens der Fall war, der Künstler nicht überlebte.

Die meisten Werke wurden auf dünnen Papierfetzen gestaltet, deren Konservierung Pflege und regelmäßiges Wenden erfordert. Daher wird die permanente Ausstellung des Museums alle paar Monate leicht geändert, so dass die Werke unter optimalen Bedingungen im Dunklen „ruhen“ können. Dieses Rotationssystem ermöglicht auch, dass mehr Kollektionsstücke gezeigt werden können.

Ohne jeden Zweifel stellt der Besuch des Museums eine einzigartige Erfahrung dar, sowohl unter thematischen als auch unter künstlerischen Gesichtspunkten. Die ausgestellten Werke haben nicht nur bezeugenden Charakter, sondern bringen auch eine beeindruckende schöpferische Kraft zum Ausdruck. Ihre Schöpfer, die Künstler, wussten, dass dies die einmalige Chance ihres Lebens war, alles, was sie sagen wollten, auf ein paar Zeilen, eingebrannt auf Papier, zum Ausdruck zu bringen.