Freunde von Yad Vashem

Veranstaltungen in Europa

Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem

12/03/2012

Avner Shalev hält eine Rede im Wiener ParlamentssaalAvner Shalev hält eine Rede im Wiener Parlamentssaal
Barbara Prammer (österreichische Nationalratspräsidentin) und Avner Shalev (Vorstandsvorsitzender von Yad Vashem)Barbara Prammer (österreichische Nationalratspräsidentin) und Avner Shalev (Vorstandsvorsitzender von Yad Vashem)
v.l.n.r.: Günther Schuster, Ulrike Schuster, Werner Faymann, (Bundeskanzler der Republik Österreich), Dr. Michael Spindelegger (Vizekanzler und Außenminister der Republik Österreich) und Avner Shalev (Vorstandsvorsitzender von Yad Vashem)v.l.n.r.: Günther Schuster, Ulrike Schuster, Werner Faymann, (Bundeskanzler der Republik Österreich), Dr. Michael Spindelegger (Vizekanzler und Außenminister der Republik Österreich) und Avner Shalev (Vorstandsvorsitzender von Yad Vashem)

Am 12.März 2012 öffnete die Nationalratspräsidentin Barbara Prammer den Sitzungssaal des österreichischen Parlaments für die jährliche Generalversammlung der österreichischen Freunde von Yad Vashem (sie ist auch unsere Ehrenpräsidentin). Hauptsprecher waren Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger und Avner Shalev, der Vorstandsvorsitzende von Yad Vashem. 280 Gäste aus dem In- und Ausland nahmen teil, unter ihnen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, mehrere Botschafter und die PräsidentInnen der Israelitischen Kultusgemeinden Wien, Linz, Salzburg und Innsbruck.

Präsidentin Prammer ging in ihren einleitenden Worten auf den Jahrestag des „Anschlusses“ ein. Der 12. März 1938 gehöre zu den entscheidenden Brüchen der österreichischen Geschichte. Im Nachkriegsösterreich habe man die Auseinandersetzung mit den Naziverbrechen vermieden. Aber über die Mitverantwortung dürfe es keinen Zweifel geben, so Präsidentin Prammer. Sie erteilte der oft gehörten Forderung nach einem „Schlussstrich unter die Vergangenheit“ eine deutliche Absage. Der Vorsitzende der österreichischen Freunde von Yad Vashem, Günther Schuster, erinnerte an die Mitverantwortung vieler Landsleute für die NS-Verbrechen, hob aber auch die mutigen Taten jener 90 österreichischen „Gerechten unter den Völkern“ hervor, die unter Einsatz ihres Lebens jüdische Mitmenschen gerettet haben. Eine Ausstellung über diese Lebensretter solle in ein österreichisches Holocaust-Museum einfließen. Ein solches Museum gebe es noch nicht, sei aber dringend nötig, so Schuster. Bundeskanzler Faymann begann seine Rede mit einem Zitat von Elfriede Gerstl: „Die Opfer haben als einzige das Recht, zu vergessen“. Wer Yad Vashem besuche, könne diese Eindrücke niemals vergessen. Die mörderische Dimension des Holocaust sprenge jede Vorstellungskraft. Es gebe eine Verpflichtung des Landes zu einem aufrichtigen Umgang mit der Geschichte. Es gebe die Verpflichtung aller ÖsterreicherInnen, den Anfängen von Rassismus und Nationalismus entschieden entgegen zu treten. Faymann erteilte Sparplänen beim österreichischen Gedenkdienst eine Absage. Die demokratische Politik dürfe sich weiters nicht darauf beschränken, ihre Werte nur an Gedenktagen hochzuhalten. Wie Spindelegger zuvor dankte auch Faymann den österreichischen Freunden von Yad Vashem für ihre Arbeit. Israels Botschafter Aviv ShirOn äußerte seine Freude darüber, dass die politische Führung des Landes an der Generalversammlung teilnahm. Das sei ein Zeichen der Versöhnung und der Verantwortung, ein Zeichen an die jüngere Generation und ein Zeichen für die Zukunft. Viele ÖsterreicherInnen hätten sich mit der Naziideologie identifiziert, so Yad Vashems Vorstandsvorsitzender Avner Shalev. Als Beispiel nannte er das Burgenland, das als erstes Bundesland die Regierungsgewalt an die NSDAP übertragen hatte. Als Gegenbeispiel führte Shalev die mutige Rettungstat der Rosa Schreiber-Freissmuth an. Die Apothekerin aus dem burgenländischen Ort Neuhaus am Klausenbach rettete mehreren jüdischen Zwangsarbeitern das Leben. Der Holocaust sei kein historisches Ereignis, das in weiter Vergangenheit liege, so Shalev. Er sei eine ständig präsente Erinnerung daran, dass Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit stets aufs Neue verteidigt werden müssen.

YV Magazin
Yad Vashem Magazin
Yad Vashem Annual Report 2012
Yad Vashem Annual Report 2011