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Künste

Vava SchoenovaSelma Meerbaum-Eisinger
Vava in einer Aufführung von Cocteaus „Die Menschliche Stimme”, 1946

Vava in einer Aufführung von Cocteaus „Die Menschliche Stimme”, 1946

Vava Schoenova

Das Wunderkind des tschechischen Theaters wurde auch im Ghetto Theresienstadt als Schauspielerin verehrt.

Vava (Vlaesta) kam 1919 in Prag zur Welt. Ihre Mutter Magda förderte ihre Neigung zur Schauspielerei. So wurde Vava tatsächlich das Wunderkind des Theaters, und trat in Dutzenden von Stücken auf: im Stadtheater, auf der Volksbühne, im Kindertheater sowie auf anderen Bühnen. Im entsprechenden Alter schloss sie sich der örtlichen Boheme an. Unter der deutschen Besatzung wurden ihr alle Rollen entzogen, und sie trat nun ausschließlich vor Juden auf. In dieser Phase entwickelte sie eine Vorliebe für das Judentum und die hebräische Literatur.

Zusammen mit ihren Eltern und ihren Schwestern deportierte man sie im Juli 1942 nach Theresienstadt. Sie trat auch dort auf, leitete Aufführungen, spielte Theater und gründete ein Puppentheater für Kinder und Jugendliche. So war sie u.a. an der Aufführung der Stücke „Das Grab” und Jean Cocteaus „Die Menschliche Stimme” beteiligt. Außerdem organisierte sie hebräische Liederabende für Frauen. Vava und ihre Schwester Zofka überlebten. Vava wanderte nach Israel aus und trat auf den führenden Bühnen des Landes auf. Sie starb im Jahre 2001.


Im Nachhinein verstehe ich, wie absurd es war, Cocteaus Stück „Die Menschliche Stimme“ aufzuführen. Es ist ein Ein-Personen-Stück. Die Frau spricht mit ihrem Geliebten am Telefon – es ist das letzte Mal. Und ich, im Rausch der Gefühle einer jungen Schauspielerin, spiele vor Menschen, die gewaltsam von ihren Lieben getrennt wurden, am nächsten Tag deportiert werden und keine Gelegenheit für ein Abschiedswort oder eine letzte Umarmung haben.

Vava (Nava Schaan) Schoenova

Aus: Nava Schaan, Schauspielerin sein, Tel Aviv, Hakibbutz Hameuchad, 1991 (hebräische Ausgabe)