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Yad Vashem Homepage Lichtflecke - Frau sein im Holocaust

Liebe

Marta BykKrysia Kucynski
Krysia und Azriel Szampan, 1947

Krysia und Azriel Szampan, 1947

Salomon, Sosnowiec Ghetto, 1943

Salomon, Sosnowiec Ghetto, 1943

Brief geschrieben von Salomon, im Lager Blechhammer, an Krysia

Brief geschrieben von Salomon, im Lager Blechhammer, an Krysia

Kette, die Krysia von ihrer Freundin, Marysia Dzialowska, zum Geburtstag im Lager Peterswald bekam

Kette, die Krysia von ihrer Freundin, Marysia Dzialowska, zum Geburtstag im Lager Peterswald bekam

Krysia Kucynski

„Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, doch bei ihm begann es langsam..."

Krysia, 1922 geboren, heiratete Salomon (Salek) Kucynski im Ghetto Sosnowiec. Nach Auflösung des Ghettos wurden die jungen Leute zum Annaberg Lager deportiert, das für die Herstellung von Armeezubehör zuständig war. Hier kochten die Frauen Suppen aus den Überresten des Küchenabfalls oder aus Nahrungsmitteln, die sie den Deutschen stahlen. Über Nacht wurden die Suppen über den Zaun hinweg zu den Männern des Lagers geschmuggelt. Zu diesem Zweck benutzte Krysia ihren überdimensionalen Mantel, unter dem sie die Suppen versteckte.

Etwa nach einem Jahr wurde Salomon zum Blechhammer Lager deportiert. Krysia und er standen nun im Briefwechsel, wiederum war hier das Küchenpersonal behilflich. Als Krysia zum Peterswalder Lager deportiert wurde, brach der Kontakt zwischen den beiden ab. Solomon starb während des Todesmarsches nach Buchenwald; Krysia überlebte. Im Jahre 1946 heiratete sie Azriel Szampan, und beide wanderten nach Israel aus.


Ich traf Salek ungefähr zwei Monate vor Kriegsbeginn. Salek studierte Ingenieurwesen in Warschau und war kurz davor gewesen, eine Frau zu heiraten. Diese erkrankte an Typhus und starb. Er war in einer schlimmen Verfassung. Dann rief seine Mutter bei meiner Mutter an und bat sie, mich Salek vorzustellen.

Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, aber bei ihm begann es langsam...

Als wir erfuhren, dass sie das Ghetto auflösen würden, sagte ich zu Salek, wenn wir nicht heirateten, ich nicht mit ihm, sondern mit meinen Eltern geschickt werden würde. Unsere Hochzeit fand im Ghetto statt - bei irgendeinem Rabbiner und meine Mutter machte Fleischklöße, die hauptsächlich aus Brot bestanden.

Einige Zeit später gingen wir zum Rathaus und ließen uns eintragen. Wir lebten bis zur Auflösung des Ghettos zusammen.

Krysia (Kucynski) Szampan

Aus Krysias Zeugenaussage, 2006


Liebe Krysia,

ich habe Deinen Brief, den Du zusammen mit Sabina geschrieben hast, erhalten. Alle Briefe und Grüße haben mich sehr gefreut. Bitte schreibe mir in allen Einzelheiten, wie Du lebst.
Krysinku (Kosename von Krysia), wenn es bedeutet, dass Du auf etwas verzichten musst, tu es nicht.
Schreibe mir auf jeden Fall, wie Du jetzt aussiehst. Ich bin gesund und mir geht es gut.
Krysia, ich vermisse Dich sehr. Ich glaube, dass wir uns bald sehen werden. Lach nicht.

Ich küsse Dich innig,

Salek