Yad Vashem „Sag niemals, du gehst den allerletzten Weg...

Tsi Darf es Azoy Zayn? - Muss es denn so sein?

Text: Katriel Broydo
Melodie: populärer Tango

Tsi Darf es Azoy Zayn? – Muss es denn so sein?

Dieses von Betty Segal gesungene Lied wurde 1946 durch die Zentrale Jüdische Historische Kommission in München aufgenommen.

Es wurde von dem Schriftsteller und Dichter Katriel Broydo (1907-1945) geschrieben, der auch Direktor des Theaters im Ghetto Wilna war. Veröffentlicht wurde es 1948 in dem Buch „Lider fun di Getos un Lagern“ („Lieder aus den Ghettos und Lagern“, Text: S. 16, Melodie: S. 365) und in „Mir sajnen do“ („Wir sind da“, 1983, S. 44).

Das Lied beschreibt das Ghetto Wilna und das Leben im Ghetto. Die Bewohner hausen in einem kleinen, engen Viertel, wo sie hungrig und erniedrigt für die Nazis arbeiten. Während sie leiden, leben die anderen – die nichtjüdischen Einwohner Wilnas – ganz normal weiter und verbessern noch ihre eigenen Lebensumstände auf Kosten der Juden. Im Refrain fragt der Dichter: „Muss es denn so sein?“, aber eine Antwort darauf hat er nicht. Die Melodie im Tangorhythmus stammt aus einem Lied, das vor dem Krieg geschrieben wurde. Sie verstärkt den Gegensatz zwischen dem Einst und dem Jetzt, zwischen „uns“ und „jenen“.


Tsi Darf es Azoy Zayn?

Di zelbe gasn un tromvayen
Numern elf un fir.
Di zelbe yinglekh loyfn, shrayen:
"a tsaytung koyft zhe, koyft bay mir".
Der zelber himl, nor nit enlekh –
Der mentsh vos unter im,
Es shaynt di zun alts nit farshtendlekh,
Ikh her es fregt in mir a shtim:

Tsi darf es azoy zayn?
Tsi muz es azoy zayn?
Az far eynem iz glik bashert
Un far dem tsveytn iz alts farvert.
Ver hot es ayngeshtelt,
Azoy zol zayn di velt?
Es fregt un vekt dos harts mayns:
Tsi darf azoy zayn?
Tsi muz azoy zayn?

Far zey di skvern un bulvarn,
Far mir aza kvartal.
Far vos zol yener mikh alts narn?
Far vos far mir a trern-kval?
Far vos der oyfshrift afn bretl:
"farvert iz vayter geyn?"
Far vos far zey mayn heym, mayn betl –
Un mayn geleger hart vi shteyn?
Tsi darf azoy zayn?...

The online exhibition was made possible through the generous support of:

Conference on Jewish Material Claims Against Germany

The Conference on Jewish Material Claims Against Germany works to secure compensation and restitution for survivors of the Holocaust.

Since 1951, the Claims Conference - working in partnership with the State of Israel - has negotiated for and distributed payments from Germany, Austria, other governments, and certain industry; recovered unclaimed German Jewish property; and funded programs to assist the neediest Jewish victims of Nazism.