„Lebt wohl, meine Lieben!"

Letzte Briefe aus dem Holocaust: 1941-1942

Einführung

„Lebt wohl, meine Lieben! Meine geliebte Mutter, mein guter Vater, Ihr wart der erste Sonnenstrahl, der mein Leben erwärmte...Ich bedaure aus tiefster Seele, das ich beim Abschied die Bedeutung des Augenblicks nicht erfasste, dass ich Euch nicht lange, lange betrachtet habe, damit sich Euer Bild tief in meine Seele einprägt, dass ich Dich nicht fest umarmt habe, ohne loszulassen."

Dies schrieb Ida Goldiş in ihrem letzten Brief im Oktober 1941, am Vorabend ihrer Deportation aus dem Ghetto Kischinew nach Transnistrien. Ida war 24 Jahre alt, als sie starb.

Sobald die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, setzte die grausame Verfolgung der Juden ein. Was als Kampagne der Entrechtung, der Vertreibung, Aushungerung, Misshandlung und Erniedrigung begonnen hatte, wurde im Juni 1941 zu einer planmäßigen, systematischen, umfassenden Vernichtungsaktion, in deren Verlauf bis zum Ende des Krieges etwa sechs Millionen Juden ermordet wurden.

Im Yad Vashem Archiv befinden sich Tausende persönliche Briefe aus der Zeit des Holocaust, die Juden – Erwachsene und Kinder – von zu Hause, aus Ghettos und Lagern, auf der Flucht, im Versteck und auf der Wanderung an ihre Verwandten und Freunde schickten.

Diese Ausstellung zeigt zehn letzte Briefe, geschrieben von Menschen, die im Holocaust ermordet wurden. Fünf davon wurden von Eltern an ihre Kinder geschrieben, die sie nie wiedersahen.

Letzte Briefe aus dem Holocaust: 1941-1942

Die Briefe in dieser Ausstellung wurden aus Österreich, Weißrussland, Frankreich, Deutschland, Lettland, Holland, Polen und Rumänien geschickt. Geschrieben wurden sie in einer Vielzahl von Sprachen: Deutsch, Niederländisch, Jiddisch, Hebräisch, Polnisch, Französisch, Rumänisch und Russisch. Ein Teil der Briefe wurde ins außereuropäische Ausland geschickt und blieb daher erhalten. Jeder Brief, jedes Telegramm und jede Postkarte zeigt uns den letzten physischen, persönlichen, einzigartigen Überrest, der von diesen Opfern geblieben ist – ihre Handschrift.

Für viele der Empfänger war dies der letzte Gruß von zu Hause und von der Familie, die sie zurückgelassen hatten. Die Trennung von diesen Briefen war schwer: dies sind die letzten Botschaften derer, die ihnen am nächsten standen. Sie übergaben sie an Yad Vashem, damit sie für immer aufbewahrt werden.

Briefe

3. April 1941

Riga

Dankbrief des neunjährigen Salman


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31. August 1941

Mauthausen

„...ist es eine Tochter, dann nenne sie Rachel"


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9.Oktober 1941

Ghetto Kischinew

„Noch einmal, nur einmal noch die Gelegenheit zu haben, Dich wiederzusehen, und dann – soll das Schlimmste geschehen"


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Herbst 1941

Ghetto Warschau

„Unsere Sehnsucht nach einander ist grenzenlos."


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20. November 1941

Drancy

„Ich hoffe, wir sehen uns bald."


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18. Mai 1942

Lager Les Milles

„Die damals empfangenen Gesetze sind einmalig und werden bestehen so lange die Welt existiert."


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16. Juni 1942

Druja

„Meine Lieben! Ich schreibe diesen Brief vor meinem Tod"


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Juli 1942

Aachen

„Wenn wir im Zuge sitzen und am Bestimmungs-Ort angelangt sind, werden wir Euch Mitteilung machen [...]“


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30. August 1942

Lager Les Milles

„ ... aber man muss den Kopf oben behalten“


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22. November 1942

Westerbork

„Erinnerst Du Dich noch an die Lieder? Ich singe sie auch.“


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