Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

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ICHEIC Förderung: Werner Sulzgruber: Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biographische Reise in die Vergangenheit von Wiener Neustadt.

Dr. Werner Sulzgruber, unser langjähriger Kollege aus Österreich, hat eine neue Publikation vorgelegt, die u.a. durch den ICHEIC Fund der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem gefördert wurde. Wir freuen uns mit ihm über diese beeindruckende Veröffentlichung!

Das Buch zeichnet die Biografien von Jüdinnen und Juden aus Wiener Neustadt nach und erzählt vom Leben und Schicksal ihrer Familien. Der Band beschreibt nicht nur die Deportation einzelner Personen und Familienmitglieder in die verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslager bzw. ihren Weg in die jeweiligen Exilländer, sondern fasst auch das Leben vor und nach der Shoah mit ins Auge.
Mit akribischer Forschung und Liebe zum Detail ist es dem Autor gelungen, einen Ausschnitt aus dem jüdischen Leben in Wiener Neustadt sichtbar zu machen. Insgesamt wurden 52 Familiengeschichten recherchiert und nacherzählt, wobei der Autor bereits in seiner Einführung erwähnt, wie schwierig die Rekonstruktion einzelner Lebenswege, angesichts der vorhandenen Quellenlage, gewesen ist.

Ein Beispiel aus dem Buch soll hier etwas ausführlicher beschrieben werden, die Geschichte der Familie Götzl: Die Familie lebte ab 1919 in Wien und etwas später in Wiener Neustadt. Karl Götzl eröffnete dort einen Gemischtwarenladen. 1921 heiratete er Valerie Schwarz, 1929 kam die gemeinsame Tochter Ilse zur Welt. Ilse besuchte die evangelische Volksschule in Wiener Neustadt, was zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches war. Unmittelbear nach dem Anschluss und der einsetzenden Verfolgung und Diskriminierung der österreichischen Juden, wurde der Laden von Karl Götzl 1938 arisiert, so dass er nicht mehr in der Lage war, seine Familie zu versorgen. Zudem wurde der Familie Götzl der Zugriff auf ihre Bankkonten verwehrt. Valerie Götzl hatte dort bereits Geld für eine Ausreise angespart und konnte dies nun nicht mehr verwenden. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Karl Götzl im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und wurde dort bis März 1939 festgehalten. Valerie Götzl versuchte in dieser Zeit mit Hilfe eines Rechtsanwaltes an ihr gesperrtes Vermögen zu gelangen, was ihr letztlich gelang. Sie setzte sich für die Freilassung ihres Mannes ein. Schließlich gelang es der ganzen Familie nach Shanghai zu fliehen und dort zu überleben.

Werner Sulzgruber: Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale. Eine biographische Reise in die Vergangenheit von Wiener Vorstadt, Wien/Horn 2013.

Projekt ORTSBEGEHUNG. Stadtrecherchen zu Shoah und Täterschaft in Freiberg, Sachsen

Zum Projekt ORTSBEGEHUNG. Stadtrecherchen zu Shoah und Täterschaft, das von unserer Kollegin Maria-Gabriele Lippmann (BSZ Julius Weisbach in Freiberg, Sachsen) pädagogisch begleitet wurde, ist nun im Online Magazin Medaon ein Artikel von Kathrin Krahl (Heinrich-Böll-Stiftung) erschienen. Der Artikel enthält hochaktuelle Aspekte zum pädagogischen Umgang mit Shoah und Täterschaft und ermöglicht einen anschaulichen Einblick in dieses interessante Projekt. Um zu dem Artikel zu gelangen, klicken Sie hier.