Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Neues aus Yad Vashem



Neue Ausstellung zur Würdigung der Retter und Helfer

Von Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann
Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“, die Yad Vashem seit 1963 an jene Nichtjuden aus zahlreichen Ländern in der ganzen Welt verleiht, die während des Holocaust unter Einsatz ihres eigenen Lebens Juden vor Verfolgung, Deportation und Ermordung bewahrten und ihnen geholfen haben, wurde eine neue Sonderausstellung eröffnet, in der der Einsatz der Helfer und Retter gewürdigt wird. Unter dem Titel „I am my Brother’s Keeper“ werden an fünf Stationen verschiedene Rettungsgeschichten präsentiert. Gerahmt von einer Übersicht über die Zahl und Vielfalt der sozialen und geografischen Herkunft der Helferinnen und Helfer sowie Hintergrundinformationen zur Geschichte des Programms zur Auszeichnung der Gerechten, sind diese Stationen das Herzstück der Ausstellung. Auf Bänken um eine Installation aus drei Projektionsflächen gruppiert, können die Besucherinnen und Besucher verschiedene Rettungsgeschichten in Form von dokumentarischen Filmen verfolgen. Jeder Film erzählt repräsentativ die Geschichte einer Rettung unter einer spezifischen Perspektive. Eingerahmt wird diese individuelle Geschichte durch weitere Informationen zu ähnlichen Geschichten. Jeder dieser Ausstellungsfilme hat dieselbe Länge, so dass die Besucherinnen und Besucher nach jeweils acht Minuten zur nächsten Station wechseln und auf diese Weise alle Schicksale kennenlernen können. Die einzelnen Vorführungen werden durch eine Installation unterbrochen, in der sich an der Wand des abgedunkelten Ausstellungsraumes aus Buchstabenfragmenten ein Zitat formt, das im Zusammenhang mit den Themen Rettung und Hilfe steht. Verwendet wurden unter anderem Zitate von Maimonides, Primo Levi, Elie Wiesel, Haim Hefer und Abraham Sutzkever.

Die einzelnen Stationen fokussieren jeweils einen bestimmten Aspekt der Rettung und kommunizieren die individuellen Geschichten mit Hilfe unterschiedlicher filmischer und narrativer Formen. Eine Station wendet sich beispielsweise Politikern, Diplomaten und Staatsangestellten wie Polizisten zu, die Juden geholfen haben. Am Beispiel der Deportation von Juden aus Bulgarien wird eine solche Rettungsgeschichte unter dem Titel „Courage of Rely“ erzählt. Der Film verwendet dazu eine klassische dokumentarische Erzählform. Ein Moderator führt durch die Geschichte und erklärt die Zusammenhänge. Mit Hilfe von historischen Quellen und Archivfilmen wird die Geschichte eines Helfers rekonstruiert, der sich vom Sympathisanten faschistischer Politik zum Retter wandelt.

In dem Film zu „Cellars, Pits and Atics“ wird über die Rettung im Versteck berichtet. Im Zentrum steht eine Geschichte einer Gruppe von Juden, die im Keller eines Nichtjuden überlebten. Die Geschichte wird in einem Reenactment nachgestellt und das Filmmaterial so bearbeitet, als entstamme es einem Archiv. Diese nicht unproblematische nachträgliche ‚Produktion‘ scheinbar authentischer Bilder wird kompensiert durch die Kombination der Nachbildungen mit einem schriftlichen Zeugenbericht eines der Geretteten. Außerdem erzählt der Film wie mit Hilfe der Überlebenden auch eine Anzahl von Fotos gerettet werden konnten, die später der sowjetischen Anklage in Nürnberg als Beweis für Massenerschießungen während des Krieges dienten. Eine dritte Station berichtet von Rettern aus dem Kreis der christlichen Kirchen. Unter dem Titel „Under the wings of the Church“ wird mit Hilfe von Interviews mit Geretteten und filmischen Reenactments, die aber deutlich als solche erkennbar sind, die Rettung von zwei Brüdern in einem italienischen Kloster rekonstruiert. Zum Ende des Films werden weitere christliche Retter mit Fotos und kurzen Biografien vorgestellt.

Die Station „Parting once again“ berichtet von der Geschichte eines Kindes, das unter falscher Identität bei einer Familie in der Ukraine überlebte, getauft und nach dem Krieg von überlebenden Verwandten nach Palästina gebracht wurde. Die Geschichte wird vor allem aus der Perspektive der Überlebenden geschildert, die von ihren Erinnerungen berichtet. Neben weiteren Interviews, unter anderem mit den Rettern, verwendet der Film aber auch animierte Kinderzeichnungen, die das innere Erleben des Mädchens und ihre Perspektive vermitteln sollen.

Die letzte Station „Paying the ultimate price“ wendet sich jenen Rettern und Helfern zu, die aufgrund ihrer uneigennützigen Rettungstaten selbst verhaftet und schließlich ermordet wurden. Im Zentrum steht eine Rettungsgeschichte aus Holland, die mit der Auszeichnung der Familie des gegen Ende des Krieges ermordeten Retters durch Yad Vashem beginnt. Der eindrückliche und bewegende Film folgt dabei der Perspektive des Enkels, der die ihm unbekannte Geschichte des Großvaters aufdeckt. In Form einer filmischen Spurensuche führt ihn die Recherche in Archive, zu Nachbarn und anderen Zeugen und erhellt die Entscheidung und die Heldentat des Großvaters, der für andere sein Leben ließ.

Auf diese Weise entsteht aus den verschiedenen Geschichten ein vielschichtiges Bild der Rettungstaten während des Holocaust. Dennoch hat keiner der Filme den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wendet sich der Geschichte in Form von individuellen Schicksalen zu und sucht dafür nach geeigneten Wegen der Vermittlung. Visuelle und narrative Formen der Vergegenwärtigung des Vergangenen werden dem Charakter der jeweils spezifischen Geschichte angepasst, um den Besucherinnen und Besuchern Zugang zu den komplexen Rettungsgeschichten zu ermöglichen.

Neue Handreichung zur Unterrichtseinheit „Deportationen. Täter, Mitläufer, Opfer“

Unter folgendem Link finden Sie eine Handreichung zur Unterrichtseinheit „Deportationen. Täter, Mitläufer, Opfer“. Die Handreichung mit dem Titel „Und wo stehst Du?“ wurde anlässlich des 74. Jahrestages des Novemberpogroms für einen Gedenkgottesdienst entworfen. Konzipiert wurde die Einheit von Petra Vahrenhorst, einer Seminarteilnehmerin, Kursteilnehmerin aus einem ISHS Seminar 2011.

Workshop zur Wanderausstellung „Der Soldat Tolkatchev an den Toren zur Hölle“

Unter folgendem Link finden Sie einen Workshop zur Yad Vashem Wanderausstellung „Der Soldat Tolkatchev an den Toren zur Hölle“. Der Workshop soll Schüler und Schülerinnen darauf vorbereiten, durch die Ausstellung selbst zu führen und Anregungen geben, wie die Wanderausstellung in der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.
Konzipiert wurde die Einheit von Christina Jaffe, Kursteilnehmerin aus dem ISHS Seminar aus Nordrhein-Westfalen 2011.