Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

„Ich gehörte zu denen, die geschwiegen haben““

Tel Aviv, Mai 2013


Pessach AndermanPessach Anderman

Die Überlebenden aus der Hölle der Shoah teilen sich in zwei Gruppen. Die eine Gruppe lebt tagtäglich mit dem schrecklichen Trauma und unter dieser Situation leidet ihre gesamte Familie.

Die zweite Gruppe schweigt. Ich gehörte zu denen, die geschwiegen haben und die um die Vergangenheit eine Stahlmauer errichtet haben. Ich war mit dem Aufbau unseres Heimatlandes beschäftigt und habe während des Unabhängigkeitskrieges als Soldat für die Verteidigung Jerusalems und gegen das jordanische Militär gekämpft.

Die arabischen Länder und ihr Militär waren mit den modernsten Waffen ausgestattet und obwohl wir nicht genügend Waffen und Munition hatten, haben wir den Angriffen, die aus allen Richtungen kamen, standgehalten.

Wir stimmten dem Teilungsplan der Vereinten Nationen zu und waren bereit, das Land mit der arabischen Bevölkerung teilen.

Sechzig Jahrehabe ich geschwiegen und über meine Vergangenheit nicht gesprochen. Ich habe die Geschichte tief in meinem Herzen und meinen Gedanken verwahrt. Ich habe schreckliche Dinge durchgemacht und unzählige Male den Todesengel vor meinen Augen gesehen. Aber wann immer ich unter seiner Berührung meines Körpers erschauerte, schien Gott die Hand des Todes von mir zu nehmen und ließ mich entkommen.

Ich war ein Junge von zwölf Jahren und die Flucht war die einzige Waffe, die mir zur Verfügung stand.

Durch meine Erfahrung mit den Gruppen die nach Yad Vashem kommen, mit Studenten und Schülern, sowie durch die Rückmeldungen die ich von diesen Begegnungen bekomme, merke ich, dass es ein großes Interesse gibt, aus erster Quelle etwas über die Shoah und die Gründung unseres Heimatlandes Israel zu erfahren.

Über den Konflikt im Nahen Osten

Aufgrund des zunehmenden Antisemitismus der letzten Jahre, stehen wir mit unserer Erklärung der politischen Lage oft allein, besonders weil unsere Begründung einer großen Propagandamaschinerie der arabischen Länder gegenübersteht, die Unsummen in die Delegitimierung Israels investieren.

Der Iran unterstützt den Terrorismus auf der ganzen Welt mit viel Geld und den modernsten Waffen.

Das ist ein Grund, weshalb es notwendig ist, dass viele Zeitzeugen diese wichtige Arbeit machen und von ihren Erlebnissen berichten.

Es ist auch wichtig, dass darunter Überlebende sind, die im Unabhängigkeitskrieg von 1948 gekämpft haben, um auch davon zu erzählen.

Die Menschen in Europa müssen erkennen, dass Israel als Speerspitze gegen den fanatischen Islam dient, während sich die Europäer dieser drohenden Gefahr noch immer nicht bewusst sind.

Krieg bedeutet Zerstörung, Tod und Leid.

Frieden bedeutet Freunde, Glück und Hoffnung.
Und genau dafür treten wir ein.

Pessach Anderman

2006 wurden die Erinnerungen von Pessach Anderman veröffentlicht:
Pessach Anderman, Der Wille zu Leben. Das Schicksal des Zeitzeugen Pessach Anderman, Droste Verlag, Düsseldorf 2006.