Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Neues aus Yad Vashem



„Im Versteck – Die Geschichte einer Rettung“ - Neue Publikation der ISHS zur Lebensgeschichte von Ehud Loeb

Ehud Loeb mit seiner Frau Shoshanna, umringt von ihren vier Kindern und drei Enkeltöchtern, die alle zur Buchvorstellung in die International School for Holocaust Studies gekommen waren.Ehud Loeb mit seiner Frau Shoshanna, umringt von ihren vier Kindern und drei Enkeltöchtern, die alle zur Buchvorstellung in die International School for Holocaust Studies gekommen waren.

Wie bereits im letzten Newsletter (Juni 2012) angekündigt, hat sich Ehud Loeb in Zusammenarbeit mit dem Desk für die deutschsprachigen Länder für ein Publikationsprojekt der ISHS zur Verfügung gestellt, in dem seine Lebensgeschichte für junge Leserinnen und Leser ab 12 Jahren aufgearbeitet wird. Im Rahmen eines Seminars für Studentinnen und Studenten sowie Lehrende aus der deutschsprachigen Schweiz hat am 5. September 2012 in der International School for Holocaust Studies die Buchvorstellung des neu in deutscher Sprache herausgegebenen Buches „Im Versteck - Die Geschichte einer Rettung“ stattgefunden. Das Buch erzählt die Geschichte eines jüdischen Kindes aus Deutschland, das mit Hilfe couragierter Retter in der schwierigen Realität von Verlust und Zerstörung den Holocaust in Frankreich überlebt und sich in der Schweiz und später in Israel ein neues Leben aufbaut. Aus der Perspektive des heute bald 80-Jährigen Ehud Loeb, geboren als Herbert Odenheimer in Bühl in Baden, wird erzählt, wie er Ende 1940 im Alter von sechseinhalb Jahren mit seiner Familie, sämtlichen jüdischen Bürgern seiner Heimatstadt und der gesamten Region Baden und Saarpfalz in das südfranzösische Lager Gurs deportiert wurde. Um ihr einziges Kind zu retten, gab ihn seine Mutter dort in die Obhut der jüdisch-französischen Hilfsorganisation O.S.E. (Oeuvre de Secours aux Enfants). In permanent wechselnden Verstecken, getrennt von seinen Eltern und unter falscher Identität konnte er dank der Hilfe jüdischer wie nicht-jüdischer Retter überleben. Da er seine gesamte Kernfamilie verloren hatte, wurde der 12-Jährige nach Kriegsende von Verwandten in der Schweiz aufgenommen und später adoptiert. Als junger Erwachsener entschied sich Ehud Loeb, nach Israel zu emigrieren, wo er eine Familie gründete und bis heute lebt. Im Anhang befinden sich zwei Kurzgeschichten, in denen Ehud Loeb die traumatischen Ereignisse seiner Kindheit und frühen Jugend aus heutiger Perspektive betrachtet. Hier überwiegt trotz seiner Erfahrung des Verlustes (der Eltern, der Kindheit, Verlust von Heimat und Muttersprache) die Dankbarkeit gegenüber Verbitterung. Ehud Loeb engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Abteilung „Gerechte unter den Völkern“ in Yad Vashem und setzt sich für die Anerkennung nicht-jüdischer Personen ein, die während des Holocaust enorme Gefahren auf sich nahmen, um jüdischen Menschen zu helfen und sie zu retten. Im Beisein von Ehud Loebs Familie dankte Dorit Novak, die Leiterin der ISHS, Ehud Loeb für seine intensive und bereichernde Zusammenarbeit mit der Schule, insbesondere mit dem European Department. Auch Shulamit Imber, die pädagogische Leiterin der ISHS, drückte ihre tiefe Wertschätzung aus und sprach über die erzieherischen Werte, die über Loebs Geschichte vermittelbar seien.
Ehud Loeb selbst formulierte in berührenden Worten, wie wichtig ihm das Erscheinen dieses Buches sei. Er wies aber auch auf die ungeschriebene Geschichte hin, die mit diesem Buch verbunden sei, nämlich die seiner Eltern, die beide exakt vor 70 Jahren deportiert und in Auschwitz ermordet worden waren. Eine der Teilnehmerinnen des Seminars hinaus brachte zum Ausdruck, was alle Anwesenden während dieser kurzen Feierstunde empfunden haben mögen: Die Begegnung mit Ehud Loeb, seinen Kindern und Enkelkindern habe eindrücklich gezeigt, wie die traumatischen Erfahrungen eines Überlebenden „noch bis in die dritte Generation berühren“ können.

Bitte entnehmen Sie dem beigelegten Flyer weitere Informationen bezüglich der Bestellung des Buches.

Bayerische Schulleiterinnen und Schulleiter an der ISHS

Im Juli dieses Jahres führte unser Team vom German Desk in Kooperation mit der bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung erstmals ein Seminar durch, zu dem Schulleiterinnen und Schulleiter von bayerischen Gymnasien bzw. deren Stellvertreter eingeladen waren.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, Yad Vashem als Gedenkort kennenzulernen und seine Bedeutung für die israelische Gesellschaft wahrzunehmen, ferner wurden der pädagogische Ansatz der International School for Holocaust Studies sowie ausgewählte Materialien zur Diskussion gestellt. In einer anregenden Panelveranstaltung debattierten Prof. Eyal Naveh (Tel Aviv University) und Jeremy Stavisky (Himmelfarb Highschool Jerusalem) über Geschichtsvermittlung innerhalb des israelischen Bildungssystems.
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich an einer vertieften Zusammenarbeit auf pädagogischer Ebene mit Israel bzw. mit Yad Vashem interessiert.

ICHEIC Forum 2012

Die Gäste des ICHEIC Forums während einer Begehung des Neubaus der International Wings der ISHS, geführt von Direktorin Dorit Novak.Die Gäste des ICHEIC Forums während einer Begehung des Neubaus der International Wings der ISHS, geführt von Direktorin Dorit Novak.

Am 18.6.2012 fand das diesjährige ICHEIC Forum, die traditionelle Zusammenkunft aller unserer europäischen Partner mit dem Team des European Departments in Jerusalem statt, einen Tag vor Eröffnung der 8th International Conference on Holocaust Education. Diese Terminierung machte es möglich, den Teilnehmerkreis des Forums um eine entscheidende Zielgruppe zu erweitern, nämlich um ehemalige Seminarteilnehmerinnen und –teilnehmer. Zahlreiche ISHS Graduates, die zur Konferenz kamen, um in pädagogischen Workshops eigene Unterrichtsprojekte vor einem internationalen Publikum zu präsentieren, bereicherten durch ihre aktive Teilnahme auch das ICHEIC-Forum. In anschließenden Evaluationsgesprächen ergab sich ein durchwegs positives Feedback zu dieser Konstellation, so dass gegenwärtig am European Department diskutiert wird, diese Neuerung auch in künftigen ICHEIC-Foren beizubehalten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ICHEIC Forums. Links im Bild Dr. Wolf Kaiser, Haus der Wannseekonferenz, Deutschland.Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ICHEIC Forums. Links im Bild Dr. Wolf Kaiser, Haus der Wannseekonferenz, Deutschland.

Wie jedes Jahr diente das Forum zum einen dem professionellen Austausch zwischen dem Team des European Departments und unseren internationalen Partnern über gemeinsame Projekte, Networkingprozesse und zukünftige Kooperationen. Zum anderen wird in jedem ICHEIC Forum auch ein inhaltlicher Schwerpunkt zur Debatte gestellt. Dieses Jahr wurde ein Thema aufgegriffen, das sich im Laufe unserer langjährigen und sich ständig vertiefenden Zusammenarbeit mit europäischen Kolleginnen und Kollegen immer häufiger stellt, nämlich die Frage, wie in Yad Vashem, dem Ort, der vorrangig als Erinnerungsort an die Opfer des Holocausts gegründet wurde, die Täter und Täterinnen des Holocaust zum Unterrichtsthema gemacht werden können. Das Führen dieser Debatte in Yad Vashem deutet auf eine Entwicklung hin, in der die beiden Pole Geschichtsvermittlung und Gedenken nicht länger als Gegenpole verstanden werden müssten, sondern untersucht werden könnte, was gerade Yad Vashem als spezifisch jüdische Gedenkstätte im Bereich der Tätervermittlung zu geschichtsdidaktischen Debatten beitragen kann.

Diskussionsrunde in Kleingruppen: Von links nach rechts sind Theo Schwedmann, Daniela Stege-Gast, Andreas Weinhold, Dorit Novak, Noa Mkayton und Yael Eaglestein zu sehen.Diskussionsrunde in Kleingruppen: Von links nach rechts sind Theo Schwedmann, Daniela Stege-Gast, Andreas Weinhold, Dorit Novak, Noa Mkayton und Yael Eaglestein zu sehen.

Nach einer Einführung in die Problematik und einer sorgfältig vorbereiteten, äußerst fruchtbaren Diskussionsrunde in Kleingruppen rundete Dr. Kaiser, stellvertretender Direktor des Haus der Wannseekonferenz und Leiter der dortigen Bildungsabteilung, diesen Themenkomplex mit einem differenzierten, präzisen sowie informationsreichen Vortrag ab. Kaiser stellte das pädagogische Programm der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz vor und erläuterte einige Fallstudien, die dort im Zusammenhang mit Tätern und Täterinnen entwickelt wurden.
Kaiser forderte in diesem Zusammenhang eine klare Unterscheidung zwischen Tätern/Täterinnen und den sogenannten Zuschauern. Vor allem in der pädagogischen Arbeit mit Auszubildenden wird die Methode eines multiperspektivischen Ansatzes gewählt, in dem neben den Tätern und Täterinnen auch noch andere Akteure (Zuschauer, Retter, Helfer, Profiteure etc.) dargestellt und die Frage nach dem jeweiligen Handlungsspielraum aufgeworfen werden.
Im zweiten Teil des Forums präsentierten ISHS Graduates u.a. aus Italien, der Ukraine, Russland und Polen unterschiedliche Unterrichtsansätze, die in ihren jeweiligen Ländern entwickelt wurden. Das Forum endete mit einer Führung (Orit Margaliot) durch die neue Wechselausstellung „Last Portrait: Painting for Prosterity“ und schloss unmittelbar an die Eröffnungsveranstaltung der 8th International Conference on Holocaust Education an.