Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)
E-Newsletter für die deutschsprachigen Länder
Hilfe und Rettung während des Holocaust
50 Jahre Programm "Gerechte unter den Völkern"
Liebe Leserinnen und Leser,
ich freue mich, Ihnen heute eine neue Ausgabe unseres deutschsprachigen E-Newsletters präsentieren zu können, die sich dieses Mal mit den Helfern und Rettern von Jüdinnen und Juden während des Holocaust beschäftigt. Der Anlass dieser Schwerpunktsetzung ist das 50jährige Bestehen der Kommission der „Gerechten unter den Völkern“, die 1962 vom Staat Israel ins Leben gerufen wurde, um das bereits in den 40er Jahren formulierte Ziel zu erfüllen, in Israel und Yad Vashem an jene Nicht-Juden zu erinnern, die während des Holocaust ihr Leben riskiert haben, um Juden zu retten. Mehr...
Von der Pflicht, Leben zu retten, und von den Pflichten des Geretteten
Interview mit Dr. Ehud Loeb
Ehud Loeb, 1934 in Bühl im Badischen als Herbert Odenheimer geboren, wurde im Alter von sechs Jahren aus seiner Geburtsstadt vertrieben und gemeinsam mit seinen Eltern und etwa 6.500 anderen Juden aus Baden und Saarpfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Während seine Eltern und der Großteil seiner weiteren Familie von den Nazis ermordet wurden, überlebte er durch den Einsatz verschiedener – nichtjüdischer sowie jüdischer – Helfer den Krieg in Frankreich. Herbert, der nun den französischen Namen Hubert trug, wurde nach Kriegsende von Verwandten in der Schweiz, der Familie Loeb, adoptiert und entschied sich im Alter von 24 Jahren, nach Israel einzuwandern, wo er den Namen Ehud Loeb annahm. Er gründete eine Familie, promovierte im Fach Kunstgeschichte und war als Kunsthistoriker an der Hebrew University Jerusalem und am Israel Museum tätig. Seit seiner Pensionierung arbeitet Ehud Loeb ehrenamtlich in Yad Vashem, wo er Mitglied der Kommission ist, die sich für die Anerkennung der „Gerechten unter den Völkern“ einsetzt. Im Interview berichtet er über die Menschen, die ihm halfen und ihn versteckten und verdeutlicht die besondere Bedeutung der Kommission zur Auszeichnung der „Gerechten unter den Völkern“ und seine persönliche Motivation, ihre Tätigkeit zu unterstützen. Mehr...
„Kein Jude blieb ohne Schutz eines Albaners“
Während in Albanien vor dem Krieg etwa 200 Juden (bei einer Gesamtbevölkerung von 803.000 Einwohnern) lebten, stieg ihre Zahl in Folge der Flucht vor den Nazis auf 600 bis 1.800 an. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wurden in Albanien während des Holocaust fast alle dort lebenden Juden gerettet. Für viele der Helfer und Retter aus Albanien war der moralische Grundsatz Besa, eine Art Ehrenkodex, Grundlage für ihre Entscheidung zu helfen. Dieser besagt, dass man in Zeiten der Not Verantwortung für das Leben des Anderen übernehmen müsse, und dass das Haus eines jeden Albaners sowohl Gott als auch dem Gast gehöre. So war Albanien schließlich das einzige unter den von NS-Deutschland besetzten Ländern, in dem die Anzahl der jüdischen Bevölkerung während des Krieges sogar zunahm. Am Ende der Besatzung im Jahr 1944 lebten in Albanien rund 2.000 Juden. Deborah Hartmann berichtet von der Rettung der jüdischen Familie Mandil durch den muslimischen Albaner Refik Veseli, seine Eltern und Geschwister. Mehr...
Die Gedenkstätte „Stille Helden“
Mit der Eröffnung der Gedenkstätte „Stille Helden“ im Oktober 2008 in Berlin entstand mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erstmals ein Erinnerungsort, der sowohl jenen Juden gewidmet ist, die sich durch Flucht in den Untergrund der Deportation entzogen und versteckt zu überleben versuchten, als auch ihren nichtjüdischen Helfern in Deutschland, die unter den Bedingungen von NS-Diktatur und Krieg unter eigener Gefährdung Handlungsspielräume nutzten, um Leben zu retten. Auf einer Fläche von 220 Quadratmetern werden auf zwei Ebenen zahlreiche exemplarische Einzelschicksale von Helfenden und Verfolgten dargestellt, verbunden mit den wichtigsten Informationen zur historischen Einordnung, aber ohne optische Überfrachtung. Dr. Beate Kosmala, seit 2005 im Rahmen ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“ für die Gedenkstätte „Stille Helden“ verantwortlich, stellt in ihrem Beitrag die Geschichte und Konzeption der Einrichtung sowie ihre pädagogischen Ansätze vor. Mehr...
Mit freundlicher Unterstützung der Erste Bank
Die „Gerechten unter den Völkern“ – Erläuterungen über den präzedenzlosen Versuch der Überlebenden deren Retter und Helfer zu ehren
Yad Vashem wurde offiziell im Jahr 1953 durch ein Gesetz der Knesset, dem israelischen Parlament, gegründet. Der Zweite Weltkrieg lag also gerade einmal acht Jahre zurück, als – obwohl die Wunden noch frisch waren – die Ehrung jener Nicht-Juden, die während des Holocaust Juden gerettet hatten, in die Agenda der Gedenkstätte mit aufgenommen wurde. Obwohl die Auseinandersetzung mit dem enormen Ausmaß des Verlustes gerade erst begonnen hatte, setzte sich der junge Staat Israel zum Ziel, an die Helfer zu erinnern, die große Risiken eingegangen waren, um Juden während des Holocaust zu retten.
Irena Steinfeldt, Leiterin der Abteilung für die Ehrung der „Gerechten unter den Völkern“ stellt das Programm und die Arbeit der Auswahlkommission vor und berichtet über Geschichten verschiedener Retterinnen und Retter, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens dazu entschlossen, Juden vor der drohenden Vernichtung zu retten.
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Vom Zuschauen zum Handeln – Ein Bericht über das Forschungsprojekt „Referenzrahmen des Helfens“
Warum halfen einige Menschen jüdischen Verfolgten, während ihre Nachbarn und Bekannten wegschauten oder sich gar an der Gewalt beteiligten? Warum riskierten sie ihren Ruf, ihre Freiheit und ihr Leben für Personen, die sie häufig nicht einmal kannten? Die sogenannten ‚Judenretter‘ werfen Fragen über die ‚Natur des Guten‘ auf und darüber, wie solidarisches Verhalten in Situationen kollektiver Gewalt entsteht. Überraschenderweise haben bislang nur wenige Forscher versucht, diese Fragen durch empirische Untersuchungen zu beantworten. Susanne Beer stellt in ihrem Beitrag das Projekt „Referenzrahmen des Helfens“ vor, dass diese Forschungslücke schließen und aus sozialpsychologischer Sicht erklären soll, wie aus Zuschauern Helfer wurden. Mehr...
Neues aus Yad Vashem
In dieser Rubrik finden Sie Informationen über aktuelle Projekte der Gedenkstätte Yad Vashem, neue Angebote und Materialien sowie jüngste Entwicklungen in der International School for Holocaust Studies.
Nachrichten aus den deutschsprachigen Ländern
In dieser Rubrik berichten wir über Aktivitäten unserer Partner in den deutschsprachigen Ländern, Projekt- und Studientage, Fortbildungen, Vernetzungen und aktuelle Entwicklungen.
- Vortrag von Deborah Hartmann an der Jüdischen Volkshochschule Berlin
- Vortrag von Jeschaja Balog in der Misrachi-Synagoge in Wien
- Vorstellung von Yad Vashem für Lehrkräfte aus Münster
- Workshop „Der Holocaust und wir - neue Formen der Erinnerung“ in Münster
- Vorstellung der Arbeit von Yad Vashem in Mölln
Termine
Hier finden Sie aktuelle Termine von Aktivitäten in den deutschsprachigen Ländern, Fortbildungen, Tagungen und Studientagen in den nächsten Monaten.
Impressum
Inhalt und Schlussredaktion: Deborah Hartmann
Textredigierung: Dr. Noa Mkayton, Anna Stocker
Design und Produktion: Stephanie Amara, Liz Elsby
Kontakt: germany.education@yadvashem.org.il




