Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Nachrichten aus den deutschsprachigen Ländern



Theo Schwedmann mit der Kulturplakette der Stadt Dülmen ausgezeichnet

Theo Schwedmann bei seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der Kulturplakette der Stadt DülmenTheo Schwedmann bei seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der Kulturplakette der Stadt Dülmen

In den 90er Jahren initiierte Theo Schwedmann in Nordrhein-Westfalen das landesweite Lehrerfortbildungsprojekt „Erziehung nach Auschwitz“ in Kooperation mit der International School for Holocaust Studies. Das Fortbildungsprogramm, das bundesweit Pioniercharakter hatte, ermöglichte zahlreichen Lehrerinnen und Lehrern verschiedener Schularten, Israel, Yad Vashem und die dort erprobten Methoden pädagogischen Umgangs mit dem Holocaust kennenzulernen und den Menschen vor Ort zu begegnen. In diesem Jahr wird Theo Schwedmann mit der 18. Lehrergruppe nach Israel reisen und das in Israel wie in Deutschland anerkannte und geschätzte Projekt fortführen. Am 22. März dieses Jahres wurde Theo Schwedmann für seine zahlreichen Verdienste im Bereich des Gedenkens an den Holocaust von der Stadt Dülmen geehrt.

Bürgermeisterin Lisa Stremlau überreicht Theo Schwedmann die Kulturplakette der Stadt Dülmen (Quelle: Raimund Menninghaus,Streiflichter Dülmen)Bürgermeisterin Lisa Stremlau überreicht Theo Schwedmann die Kulturplakette der Stadt Dülmen (Quelle: Raimund Menninghaus,Streiflichter Dülmen)

Seine unermüdlichen Aktivitäten vor Ort und die damit verbundenden Verdienste für die Stadt Dülmen sowie sein landesweites und internationales Engagement wurden mit der Verleihung der Kulturplakette der Stadt hervorgehoben und öffentlich gewürdigt.

Die International School for Holocaust Studies gratuliert Theo Schwedmann zu dieser Ehrung und dankt ihm für sein langjähriges und vielfältiges Engagement und die gute Zusammenarbeit.




Keine leichten Pakete – ein Projekt des Goethe-Instituts Jerusalem

Wer zum ersten Mal zu Besuch in eine fremde Wohnung kommt, richtet den Blick gerne auf das Bücherregal der Gastgeber. Werden Romane oder Sachbücher bevorzugt? Welche Lieblingsautoren sind auszumachen? Welche Reiseführer gibt es? Was jemand liest, gibt Aufschluss über Vorlieben und Interessen und erzählt auch etwas über die Biographie des Besitzers.

Deutsche Juden, die von 1933 an in das britische Mandatsgebiet Palästina einwanderten, brachten trotz aller Widrigkeiten deutschsprachige Bücher mit, und jene, denen die Emigration früh genug gelang, waren mitunter sogar in der Lage, ganze Teile ihrer Bibliotheken zu verschiffen. Diese Bücher wurden in den letzten Jahren vermehrt dem Goethe-Institut in Jerusalem angeboten; insbesondere wenn die Kinder und Enkelkinder der „Jeckes“, wie die deutschsprachigen Einwanderer in Israel oft genannt werden, die Muttersprache ihrer Eltern nicht mehr sprechen. Um diese Bestände auf sinnvolle und kreative Weise zu nutzen, hat das Goethe-Institut Jerusalem jetzt ein Projekt für Schulklassen in Deutschland entwickelt. Die Idee: Ausgewählte Bücher dieser Bibliotheken sollen zurück in das Land geschickt werden, in dem sie vor etwa 80 Jahren zusammengestellt, in Bücherschränken aufbewahrt, gelesen und genutzt wurden. Sie sollen in die Hände einer Generation gelangen, die die jüdischen Besitzer dieser Bibliotheken ebenso wenig kennen wie ihr weiteres Schicksal in Israel, einer Generation, der die Bücher in ihrer heute antiquarisch anmutenden Aufmachung zugleich fremd und vertraut sein dürften. Pakete mit einer kleinen Auswahl der Bücher werden zusammen mit Angaben über die Biographie des Besitzers, seinen/ihren Bezug zu Literatur und Lesen sowie Einführungen zu den Werken an Schulen in Deutschland geschickt und können dort von den Klassen bearbeitet und verwendet werden. Dieser Zugang über Biographie und Lesebiographie ermöglicht vielfältiges methodisches Vorgehen, bei dem die Schüler individuelle Schwerpunkte auswählen können.

So soll mit diesem Blick in die Bücherregale der deutschen Juden ein konkreter Einblick in jüdisches Leben in Deutschland in der Zwischenkriegszeit und während der ersten Jahre des Nationalsozialismus ermöglicht werden. Untrennbar damit verbunden sind natürlich auch das abrupte Ende dieser Lebenswelt durch das Einsetzen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, sowie die für deutsche/österreichische Schülerinnen und Schüler seltene Perspektive auf den Neuanfang der Ausgewanderten in dem kulturell und klimatisch so völlig anderem Land Israel.

Klicken Sie hier, um sich beispielsweise das Bücherpaket zu Ada Brodsky anzusehen.

Das Projekt ist in Zusammenarbeit des Goethe-Instituts Jerusalem, Yad Vashem und der Bezirksregierung Münster/NRW entstanden und wurde von Caroline Jessen (MA)(Universität Bonn/Rosenzweig Minerva Research Center Jerusalem), die zum Thema im Rahmen ihrer Dissertation forscht, wissenschaftlich begleitet.

Wenn Sie mit Ihrer Klasse an dem Projekt teilnehmen wollen oder weitere Informationen wünschen, kontaktieren Sie bitte: germany.education@yadvashem.org.il oder peretswagner@jerusalem.goethe.org