Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Spuren der Geschichte

Die jüdische Gemeinde von Salonika - das Jerusalem des Balkans

Hintergrundinformation zu dem Film: „Dir in Liebe gedenken“ - Die Geschichte des Owadjah Baruch

Von: Liz Elsby und Asaf Tal
Übersetzung und Redaktion: Chani Hinker, Franziska Reiniger, Anna Stocker

Inhalt:


Erläuterung

Im Mittelpunkt dieses Unterrichtsmaterials steht der Lebensalltag der jüdischen Bevölkerung, die vor, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach in der griechischen Stadt Thessaloniki[1] lebten. Die jüdische Gemeinde von Salonika gehört zu den ältesten in Europa. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten 55.200 Jüdinnen und Juden in Salonika und machten damit zwei Drittel der Bevölkerung aus. Nur ein Bruchteil der jüdischen Bevölkerung Salonikas hat die Shoah[2] überlebt (1950 Personen). Dieses Unterrichtsmaterial unterstützt Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler dabei, mittels einer Vielfalt von Materialien das Leben in einer konkreten Gemeinde anschaulicher zu machen und zu rekonstruieren.

Das Thema für den Yom HaShoah, den Holocaust-Gedenktag in Israel, im Jahr 2011 lautete: „Gesichter hinter Dokumenten, Objekten und Fotos”. Bei den verschiedenen Objekten handelt es sich um Erinnerungsstücke, die nach der Ermordung des europäischen Judentums in der Shoah übriggeblieben sind. Mit Hilfe dieser Relikte soll der Versuch unternommen werden, die verlorene jüdische Welt anschaulich zu machen und vor allem die Gesichter der Menschen, die damals lebten, in den Vordergrund zu stellen. In dieser Einheit werden Materialien aus den Online-Datenbanken von Yad Vashem verwendet. Mit Hilfe historischer Fotos, Objekte, Dokumente, Filme und anderer Materialien wurde versucht, die jüdische Gemeinde von Salonika vor, während und nach der Shoah zu beschreiben.

Einführung

Einführung

Heute ist Salonika die zweitgrößte Stadt Griechenlands, in der ungefähr 4.500 Jüdinnen und Juden leben - 0,05 Prozent der gesamten griechischen Bevölkerung. Die jüdische Bevölkerung war jedoch nicht immer so klein. Vor 1942 war Salonika ein Mittelpunkt des europäischen Judentums, ein religiöses Zentrum ersten Ranges, das Studentinnen und Studenten aus aller Welt anzog. Es wird angenommen, dass sich die ersten Jüdinnen und Juden vor 2.000 Jahren in Griechenland ansiedelten. Im Laufe der Jahrhunderte gedieh die Gemeinde und wurde größer.
Nachdem die Jüdinnen und Juden mehr als tausend Jahre lang unter verschiedenen Herrschern gelebt hatten, verbesserte der Beginn der ottomanischen Herrschaft in Griechenland im Jahr 1430 das Leben der jüdischen Bevölkerung von Salonika. Die Ottomanen hoben Steuern auf und schafften Verbote ab, die den Jüdinnen und Juden zuvor von den venezianischen Machthabern auferlegt worden waren. 1492, als die spanischen Monarchen Ferdinand und Isabella die jüdische Bevölkerung aus ihrem Königreich vertrieben, konnten viele der Flüchtlinge nach Griechenland kommen und sich dort niederlassen. Stark beeinflusst vom beträchtlichen Zustrom sephardischer Jüdinnen und Juden und Conversos[3] , erblühte eine reiche jüdische Kultur.
Die jüdischen Gemeinden, die von der ottomanischen Herrschaft bis zur griechischen Eroberung im Jahr 1912 existierten, waren für ihre wirtschaftliche Stabilität, ihre reiche religiöse und kulturelle Tradition und ihr florierendes Gemeinwesen bekannt. Die Jüdinnen und Juden im Süden, die eine lange Zeit unter den Griechinnen und Griechen gelebt hatten, integrierten sich in die allgemeinen Bevölkerung und benutzten Griechisch als Umgangssprache. Sie unterhielten bis zum Aufstieg des griechischen Nationalismus im späten 19. Jahrhundert gute Beziehungen zu ihren Nachbarinnen und Nachbarn.
Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten ungefähr 80.000 Jüdinnen und Juden in 31 verschiedenen Orten in Griechenland. 1945 war ihre Zahl auf 10.000 gesunken. 87 Prozent der griechisch-jüdischen Bevölkerung wurden in der Shoah ermordet.

Sephardisches Judentum

Sephardisches Judentum

Das sephardische Judentum folgt den Traditionen, welche von den Jüdinnen und Juden der iberischen Halbinsel vor ihrer Vertreibung im späten 15. Jahrhundert entwickelt wurden. Der hebräische Begriff „Sefardi” wird von dem Wort für die geografische Landschaft „S´farad” - iberische Halbinsel, das heutige Spanien - abgeleitet. Viele sephardische Jüdinnen und Juden lebten in Salonika, vor allem nach 1492, nachdem sie aus Spanien und Portugal vertrieben und von den damaligen ottomanischen Herrschern willkommen geheißen wurden. Im Ottomanischen Reich war man der Meinung, dass die jüdische Bevölkerung der lokalen Wirtschaft zum Aufschwung verhelfen werde. Obwohl die spanischen Jüdinnen und Juden brutal aus ihrer Heimat vertrieben wurden, benutzen sie weiterhin die romanische Sprache Ladino als ihre zentrale Studier- und Umgangssprache.

Religiöses Leben

Religiöses Leben

Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war Salonika ein bedeutendes Zentrum für das Thorastudium und die jüdische Mystik. Viele ausländische Studenten kamen, um von den angesehenen Thoragelehrten unterrichtet zu werden. Im 16. Jahrhundert lebten in Salonika mehrere maßgebliche Rabbiner, deren Einfluss über die Stadt und sogar über das Ottomanische Reich hinausging.
Überall in der jüdischen Welt wurden religiöse Schriften aus Salonika veröffentlicht. Das religiöse Leben der Jüdinnen und Juden von Salonika blühte mit dem Zustrom der Einwanderinnen und Einwanderer aus Spanien und Portugal auf. Sie gründeten eigene Synagogen und Gemeinden, die sie nach ihren Heimatländern oder -städten benannten: Kastilien, Katalanien, Aragonien, Mallorca, Lissabon, Sizilien, Kalabrien, Apulien und Provence. Unter den zehn verschiedenen Synagogen, die den unterschiedlichsten Traditionen folgten, befand sich nur eine osteuropäische bzw. aschkenasische Synagoge. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gab es in Salonika zwanzig Rabbiner, zehn jüdische Fleischhauer, vier Yeschiwot (religiöse Schulen) und vier Thoraschreiber. Sie alle legen für das religiöse Niveau dieser Gemeinde ein lebhaftes Zeugnis ab. Heute sind davon nur noch zwei Synagogen übrig.

Berufsleben

Berufsleben

Im Laufe der Zeit gelang es den Jüdinnen und Juden, sich in ihren gewählten Berufssparten emporzuarbeiten. Im 14. Jahrhundert arbeiteten viele von ihnen als Kunsthandwerker, färbten Seide und fertigten Gold- und Silberschmuck an. Ab dem 17. Jahrhundert waren sie vorwiegend in Handel und Industrie tätig und im 19. und 20. Jahrhundert als Hafenarbeiter. Mit dem Handel wuchs auch die Gemeinde von 25.000 Jüdinnen und Juden im 17.
Jahrhundert auf 80.000 im 20. Jahrhundert. In Salonika war es der jüdischen Bevölkerung nicht wie im übrigen Europa verboten, bestimmte Berufe auszuüben. Sie durften auch eine Ausbildung als Ärzte und Anwälte absolvieren. Es herrschte zwar Antisemitismus, er war aber weniger ausgeprägt als in anderen europäischen Ländern.
Um 1900 verdienten so viele Gemeindemitglieder als Hafen- und Dockarbeiter ihren Lebensunterhalt, dass der Hafen am Schabbat und zu den jüdischen Feiertagen völlig zum Stillstand kam. Die jüdischen Hafenarbeiter waren für ihre Geschicklichkeit und ihr Können auf der ganzen Welt berühmt. Einige von ihnen emigrierten später nach Palästina und arbeiteten dort im Hafen von Haifa.

Erziehung

Erziehung

Erziehung hat in jüdischen Gemeinden einen hohen Stellenwert. Sie beginnt frühzeitig und schon kleine Kinder gehen zur Schule. Auch die jüdische Gemeinde Salonikas betrachtete eine gute Erziehung als Schlüssel zu einer kulturell und wirtschaftlich reichen Gemeinde. Die jüdischen Kinder, die in Salonika lebten, gingen in jüdische Schulen, wo sie hauptsächlich in ladinischer Sprache lernten. Alfonso Levi, Sekretär der jüdischen Gemeinde, erinnert sich:
„Es gab zwei große Schulen, die von der Regierung betrieben wurden, und zwei Privatschulen. Dreitausend weitere Kinder lernten in Jugendheimen, pädagogischen Institutionen für Kinder mit berufstätigen Müttern. Zusätzlich zu den anderen Unterrichtsstunden wurden die Kinder vier Stunden am Tag in den Fächern Religion und Hebräisch unterrichtet. 71 Lehrer waren Christen und 52 Juden. Nur 250 Kinder aus wohlhabenderen Familien konnte sich auch den Besuch eines griechischen Gymnasiums leisten. 1873 gründete die Alliance Israélite Universelle die ersten wirklich modernen, abendländischen Schulen in Salonika. Diese Organisation wurde in den 1860er Jahren in Frankreich mit dem Ziel ins Leben gerufen, die jüdische Identität zu schützen und überall auf der Welt die Erziehung in den Gemeinden zu fördern. In Salonika wurden sieben Kindergärten, Grundschulen und Berufsschulen eröffnet, um 4.000 Kinder – Mädchen und Knaben – zu unterrichten.”[4]
Im Vergleich mit vielen europäischen Städten war Salonika einzigartig, denn die Jüdinnen und Juden waren bereits in den 1920er Jahren zum Universitätsstudium zugelassen. 50 jüdische Studentinnen und Studenten studierten an der Lehrerbildungsanstalt und 20 bereiteten sich auf das Unterrichten in jüdischen Schulen vor. Jüdische Ärzte, die in Europa ausgebildet worden waren und sich in der jüdische Gemeinde Salonikas niederließen, trugen zu Fortschritt in Medizin und Ausbildung bei, so dass sich Salonika zu einer moderneren und liberaleren Gesellschaft entwickelte.
Salonika war auch wegen der religiösen Erziehung berühmt. 1.500 Studenten besuchten eine Reihe von Yeschiwot und eine Talmud-Thora-Schule, deren Wurzeln in das 16. Jahrhundert zurückreichten. Die Yeschiwot der Stadt waren auch für ihr Wissen auf dem Gebiet der jüdischen Mystik, der Kabbalah, anerkannt. Nachdem Salonika nach dem Ende des Ersten Balkankrieges im Jahr 1912 von den Griechen besetzt worden war, setzte die griechische Regierung eine Hellenisierungspolitik in Gang, um der griechischen Sprache und Kultur Geltung zu verschaffen und die Minderheitenbevölkerung zu vereinen. Ein Ergebnis war, dass die griechischen Behörden einen griechisch-jüdischen Lehrplan entwickeln wollten, der darauf abzielte, die jüdische Bevölkerung zu assimilieren. Die jüdische Gemeinde widersetzte sich und lehnte 1924 einen Vorschlag für die Finanzierung der Schulen durch den Staat ab, was nationalistische Kreise in Salonika gegen sie aufbrachte.[5]

Zeitungen, Literatur und kulturelles Leben

Zeitungen, Literatur und kulturelles Leben

In Salonika gedieh ein reiches künstlerisches und kulturelles Leben. Obwohl Schreiben als Beruf manchmal ein wenig verächtlich betrachtet wurde, waren Zeitungen, Dichtung, Volkslieder und Theaterstücke populär. Die meisten waren in ladinischer Sprache geschrieben, andere auf Französisch und Hebräisch. Im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienen ungefähr 35 von 70 Lokalzeitungen auf Ladino. Die Blätter berichteten über eine Fülle von Themen: nationale und internationale Politik und die Aktivitäten der lokalen Gemeinde. Sie dienten als Plattform für ideologische Diskussionen, die die sozialen und politischen Meinungen ihrer Verfasser widerspiegelten. So unterstützte zum Beispiel die Zeitung „Solidandad” den Sozialismus und forderte die Industriearbeiter zum Streik und zur Kritik an den Jungtürken[6] auf. Während zionistische Zeitungen das zionistische Ideal priesen, wurde dies von „La Epoca”, der am längsten - von 1875 bis 1911 - erscheinenden Zeitung in Ladino, offen abgelehnt. Das Blatt forderte die jüdische Gemeinde auf, Türkisch zu lernen und sich mehr in die lokale Bürokratie bzw. Verwaltung und den Handel zu integrieren.
In der jüdischen Gemeinde war Lesen eine sehr beliebte Beschäftigung. Theaterstücke wurden vor allem geschrieben, um die Bedeutung des Fortschritts des jüdischen Gemeinwesens zu unterstreichen, mit dem Nebenzweck, die Aufführung als Spenden-Veranstaltung für die lokalen Gemeindevereine zu verwenden. Lieder und Gedichte wurden im traditionellen Cantigas-Stil[7] verfasst und mit Musik umrahmt.
Sie schilderten die rauen Realitäten des Lebens und wurden auch im Theater aufgeführt. Diese Dichtungen spielten eine wichtige Rolle bei Festen und Familienfeiern. Die Musikgruppen, die diese Lieder schrieben und spielten, bestanden oft aus Jüdinnen und Juden verschiedenster Herkunft, aber die Lieder waren immer auf Ladino geschrieben - ein Beweis für die Kraft dieser Sprache in der kulturellen Atmosphäre von Salonika.

Esskultur

Esskultur

Wenn eine Gemeinde ins Exil gezwungen wird, dann hält sie oft - als Erinnerung an Vertrautes - an den kulturellen Traditionen ihrer Heimat fest. Speisen nehmen im jüdischen Leben einen besonderen Platz ein: als Teil des Rituals, am Schabbat, in Form von Festtagsbräuchen und als Komponente jüdischer Kultur und Tradition. Die Küche einer jeden jüdischen Gemeinde wurde von ihrer lokalen Umgebung beeinflusst.
Traditionelle sephardische Speisen sind Bourekas und Pastelitos (Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen) und die berühmten „Huevos Haminados”, die aus dem jüdischen Zeitalter in Spanien stammen. Diese schönen, mit Zwiebelschalen und Öl gekochten oder gebackenen Eier werden am besten mit „Ofeneier” übersetzt und zeigen einen fast religiösen Bezug zum Essen. Sie sind ein integraler Bestandteil der jüdisch-sephardischen Küche, was durch ihre Gegenwart in der jüdischen Folklore bewiesen wird. Viele sephardische Jüdinnen und Juden erinnern sich heute noch an den Duft und den Geschmack der Speisen und erklären, wie diese kulinarischen Spezialitäten im Mittelpunkt ihrer Kultur und Erinnerungen an Vergangenes stehen.

Bilder der jüdischen Gemeinde Salonikas vor dem Holocaust

Salonika, Griechenland, 1928-29, Erstklässlerinnen und Erstklässler in der Alliance Schule.

Salonika, Griechenland, eine jüdische Frau in traditioneller Kleidung Ende des 19. Jahrhunderts.

Salonika, Griechenland, Familienportrait der Familie Mordechai, alle Porträtierten in diesem Bild wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet, mit Ausnahme von Mois Mordechai.

Salonika, Griechenland, eine Gruppenaufnahme von Mois Mordechais Klasse, Mai 1935.

Salonika, Griechenland, Avraham Kasorla, 01.06.1941.

Salonika, Griechenland, Lili Baruch (Owadjahs Schwester), in Auschwitz ermordet.

Salonika, Griechenland, Emanuel Aschkenazi, in Auschwitz ermordet.

Mois Mordechais Vater und seine Familie beim königlichen Palast in Athen, Griechenland 1935 (Schenkung von Mois Mordechai).

Salonika, Griechenland, Mitglieder des Komitees der Gesellschaft „Geschenke für die Armen” („Matanoth La’Evionim”).

Salonika, Griechenland, Rabbi Chaim Refael Haviv, im Holocaust ermordet.

Innenbereich der „Yad LaZikaron” Synagoge in Salonika, Griechenland, 2007.

Salonika, Griechenland, Aron und Rahel Sarfati, die Schwester und der Schwiegerbruder von Mois Mordechai, 1933 (Schenkung von Mois Mordechai).

„Huevos Haminados” (kolorierte hard-gekochte Eier), eine traditionelle sephardisch-jüdische Speise.

Salonika, Griechenland, die ladinosprachige Zeitung „El Messagero”.

Salonika, Griechenland, Ausschnitt der französisch-sprachigen Zeitung „Pro Israel”.

Salonika, Griechenland, die ladinosprachige Zeitung „La Epoca”.

Salonika, Griechenland, obdachlose Jüdinnen und Juden nach dem Brand 1917.

Eine Postkarte mit einem Familienportrait, das von Jacob Alvo aus Salonika zu Aron Sarfaty in Tel Aviv geschickt wurde, 8. Januar 1935.


Politische Entwicklungen und Antisemitismus

Politische Entwicklungen und Antisemitismus

Bis zum 20. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde Salonikas nicht Opfer von Antisemitismus und Unterdrückung, wie es in denselben Jahren in Osteuropa der Fall war. Obwohl die Jüdinnen und Juden von den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern Salonikas teilweise getrennt lebten und in bestimmten Zeiten Antisemitismus ausgesetzt waren, hatten sie viele Freiheiten in den Bereichen Kultur, Erziehung und in den von ihnen gewählten Berufen. Aber in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war die politische Lage in Griechenland sehr unbeständig. Obwohl sich Griechenland schon einige Jahre vom türkisch regierten Ottomanischen Reich gelöst hatte, wurden immer noch Kriege um Land und politische Kämpfe innerhalb des Landes geführt. 1917 kam unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos eine neue griechische Regierung an die Macht, die König Konstantin ins Exil trieb.
Griechenland trat in den Ersten Weltkrieg ein und jüdische Soldaten kämpften an der Seite ihrer griechischen Landsleute, um ihre neue Regierung zu unterstützen. Dabei waren sie sich der Auswirkungen, die der Nationalismus auf die jüdischen Gemeinden haben würde, nicht bewusst. Salonika wurde der symbolische Kampfplatz für das Entstehen einer neuen, griechischen, nationalen Identität.
Die neue Regierung förderte einen rigorosen Staatsnationalismus und wollte, dass ihre Bürgerinnen und Bürger die griechische Identität festigten. Jüdinnen und Juden wurden ein klares Angriffsziel, da sie es ablehnten, sich in die griechische Gesellschaft zu assimilieren. Durch ihre eigene Verwaltung, Schulen, Gerichte, Stadtviertel und sogar ihre eigene Sprache hatten die Jüdinnen und Juden ihre Identität geformt und entwickelt. Sie wurden wegen ihrer besonderen Bräuche und Lebensweisen als Außenseiter betrachtet.
1917 kam es zu einem Großbrand in der Stadt. Viele Gebäude, die der jüdischen Gemeinde gehörten, wurden von den Flammen zerstört. Die Regierung wollte diesen unerwarteten Zugewinn von Bauland in der Stadt zum Anlass nehmen, Salonika nach griechisch nationalistischen Gesichtspunkten wieder aufzubauen. Bei der Durchführung dieses Vorhabens wurde es vielen Jüdinnen und Juden verboten, ihre Häuser in diesem Viertel wiederaufzubauen.
1922 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die gesamte Bevölkerung dazu zwang, am Sonntag nicht zu arbeiten – was eine potenzielle Gefahr für den jüdischen Handel darstellte. Obwohl dieses Gesetz nicht erfolgreich angewandt werden konnte, sahen sich dennoch viele Jüdinnen und Juden gezwungen, Griechenland zu verlassen.
1926 fand der erste große Propagandafeldzug gegen die jüdische Bevölkerung in Griechenland statt. Flugblätter bezeichneten die Jüdinnen und Juden als Zionisten und Kommunisten, die ein separatistisches Komplott gegen den Staat planten. In diesen Flugblätter wurden die Bürgerinnen und Bürger von Salonika aufgefordert, die jüdischen Geschäfte zu boykottieren.
1927 wurde die Zahl der Jüdinnen und Juden, die zum Universitätsstudium zugelassen wurden, eingeschränkt. Solche Vorschriften hatte es seit vielen Jahren in einigen europäischen Ländern gegeben, aber in Salonika hatte die jüdische Bevölkerung bis dahin ohne Einschränkungen leben können. Einige etablierte Zeitungen begrüßten diesen Numerus Clausus ausdrücklich und förderten damit den Antisemitismus.
Die Jüdinnen und Juden hatten schon seit langer Zeit die Verbindung mit anderen Gemeinden in ganz Europa gepflegt. Die „Makkabi-Spiele“ boten zum Beispiel eine Gelegenheit für die Jüdinnen und Juden der Diaspora, einander zu treffen und - wie in diesem Fall – eine jüdische Olympiade durchzuführen. Griechische Nationalisten betrachteten solche Veranstaltungen argwöhnisch und beschuldigten die Jüdinnen und Juden der Verschwörung gegen Griechenland.
1927 wurde die EEE (Ethniki Enosis Ellados) oder griechische Nationalunion gegründet. Die Partei, die den Antisemitismus auf ihre Fahnen geschrieben hatte, erlaubte nur den Beitritt von christlichen Bürgerinnen und Bürgern. Diese Partei wurde später beschuldigt, der Hauptaggressor bei den Campbell Aufständen von 1931 gewesen zu sein, in denen ein ganzes jüdisches Stadtviertel niedergebrannt wurde.
Ende 1929 wurde die jüdische Gemeinde von den lokalen Behörden aufgefordert, einen großen Teil ihres Friedhofes aufzugeben. Dieser sollte als Bauland umfunktioniert werden, um die zahlreichen Flüchtlinge, die Salonika überfüllten, in neuen Wohnungen unterzubringen.[8] Die Vertreter der jüdischen Gemeinde erklärten vergeblich, es verstoße gegen das jüdische Gesetz, Tote umzubetten. Der Stadtrat behauptete, die Verwendung des Landes habe mit Antisemitismus nichts zu tun, denn auch christlichen und muslimischen Friedhöfen wurde derselbe Zweck zugewiesen.

Deutsche Besatzung, Ghetto und Deportation

Deutsche Besatzung, Ghetto und Deportation

Nach der deutschen Invasion Griechenlands am 6. April 1941 wurde das Land in verschiedene Zonen aufgeteilt, von denen jede einer der folgenden Besatzungsmächte unterstand: Deutschland, Bulgarien und Italien.
Salonika geriet unter deutsche Besatzung. Nach der deutschen Invasion Salonikas am 9. April 1941, wurden viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde verhaftet. Die jüdische Gemeinde wurde der Gestapo unterstellt und musste für die Erhaltung und das Personal finanziell aufkommen. Jüdische Vereine und Schulen wurden geschlossen, jüdische Straßennamen in griechische umbenannt.
Wie auch an anderen Orten, raubten die Deutschen vor und nach den Deportationen jüdisches Eigentum. Sie misshandelten reiche Jüdinnen und Juden und stahlen von ihnen Bargeld, Schmuck, Tafelsilber, Kunstwerke und Teppiche. Der Großteil der Beute wurde nach Deutschland geschickt. Wohnungen, Büros und Geschäfte von deportierten Jüdinnen und Juden wurden „loyalen” Begünstigten übergeben.
Die Beschlagnahme von Häusern, Waren und Getreide führte zu einem schwerwiegenden Mangel an Lebensmitteln in der Stadt. Dies führte zu einer Hungersnot, durch die ansteckende Krankheiten begünstigt wurden. Die jüdische Gemeinde versuchte, den Hungrigen durch die Eröffnung von Armenküchen zu helfen. Mitte Juni 1941 traf der sogenannte „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg” in Salonika ein. Die Einheit wurde von Dr. Johann Pohl geleitet, dem Direktor der Hebraica- und Judaicabibliothek am Frankfurter Institut zur Erforschung der „Judenfrage”. Das Institut hatte Informationen über wertvolle Sammlungen in Salonika erhalten. Die Einheit beschlagnahmte systematisch zehntausende seltene Bücher und Manuskripte aus Stadtbibliotheken und Privatsammlungen. Sie konfiszierte Thorarollen, Gebetbücher und rituelle Gegenstände wie Vorhänge von Thoraschreinen.
Eines der Ereignisse, die sich unauslöschlich in das Gedächtnis der jüdischen Bevölkerung Salonikis eingegraben haben, ist der „Schwarze Schabbat”. Auf den Befehl hin, dass sich alle männlichen Juden im Alter zwischen 18 und 45 Jahren zur Zwangsarbeit zu melden hätten, versammelten sich am 11. Juli 1942 - einem Samstag - ungefähr 6.500 Juden auf dem Freiheitsplatz in Salonika. Sie wurden von den Deutschen misshandelt und gezwungen, stundenlang in der prallen Sonne stehend auszuharren. Nach vier Registrierungstagen wurde die jüdische Gemeinde zur Zwangsarbeit im Straßenbau und anderen Arbeitsbereichen eingezogen. Viele starben an Unterernährung und Erschöpfung.
Bereits vor der deutschen Besatzung Salonikas begannen die Jüdinnen und Juden die Stadt zu verlassen. Am 15. Juli 1942 berichtete der italienische Konsul, 1.200 Jüdinnen und Juden seien aus Salonika in Richtung der italienischen Zone - in den meisten Fällen nach Athen - geflüchtet. Einige reiche und angesehene Jüdinnen und Juden aus Salonika übersiedelten in die umliegenden Dörfer. Die erfolgreichste Methode, die Stadt zu verlassen, war mit Hilfe falscher Papiere; eine andere war, sich als Dorfbewohnerin oder Dorfbewohner oder Eisenbahnarbeiter auszugeben. Es existieren keine genauen Zahlen über die Flucht der Jüdinnen und Juden aus Salonika in die italienische Zone; Schätzungen für die Jahre 1941 bis 1943 reichen von 3.000 bis 7.000 Flüchtlinge.
Die Deutschen ergriffen verschiedene Abschreckungsmaßnahmen, um Fluchtversuche zu verhindern, darunter auch öffentliche Hinrichtungen. Sowohl diese Abschreckungsmaßnahmen als auch die Versprechen der Deutschen, dass sie in Polen ein neues Leben anfangen könnten, trugen zum Rückgang der Fluchtversuche bei. So berichtet zum Beispiel Jackie Handeli[9] , sein Vater habe Werkzeug für die Deportation nach Polen gekauft, um dort seine Familie ernähren zu können.
Wenige Tage vor dem Beginn der Transporte aus Salonika, mitten in den Verhandlungen zur Rettung der slowakischen Jüdinnen und Juden, erklärte Dieter Wisliceny, Adolf Eichmanns Gehilfe in Bratislava, das Schicksal der jüdischen Gemeinde Salonikas sei nicht so schlimm. Gleichzeitig traf er Vorbereitungen für ihre Deportation. Jüdinnen und Juden, die aus Ländern der Achsenmächte, wie zum Beispiel Italien, oder aus neutralen Staaten wie der Türkei oder Spanien stammten, waren von den Transporten ausgenommen. In der jüdischen Gemeinde von Salonika gab es 850 Jüdinnen und Juden, die in diese Kategorie fielen: mehr als 500 hatten die spanische Staatsbürgerschaft, außerdem lebten dort ungefähr 280 Staatsangehörige von Italien, der Türkei, Portugal, Argentinien, der Schweiz, Ägypten, Ungarn und Bulgarien.
Die Deutschen gestatteten den Jüdinnen und Juden, die zur Deportation gezwungen wurden, nur wenige persönliche Habseligkeiten mitzunehmen – 20 Kilogramm pro Person. Zusätzlich mussten die Deportierten ihr Zugticket selbst finanzieren. Der Überlebende Owadjah Baruch beschreibt den Ticketkauf als eine beruhigende Tatsache, die bei ihm die Hoffnung stärkte, dass die Deportation nicht mit den Tod enden würde. Um die Täuschung noch glaubhafter zu machen, erhielt jedes Familienoberhaupt einen Scheck über 600 polnische Zloty; außerdem verbreiteten die Deutschen das Gerücht, die Jüdinnen und Juden bekämen ihr Eigentum nach dem Krieg zurück.[10]
Die Deportationen von Salonika vom Bahnhof in der Nähe des Baron Hirsch Ghettos[11] nach Auschwitz hielten fünf Monate an. Die Deportationszüge fuhren fast jeden Tag und in das Baron Hirsch Ghetto wurden nach jeder Deportation neue Jüdinnen und Juden gebracht. Auch Jüdinnen und Juden aus anderen Gemeinden, aus Thrakien und Mazedonien, wurden in die Transporte aus Salonika eingeschlossen. Für den ersten Transport wurden 2.800 Jüdinnen und Juden in 40 Viehwaggons (ca. 70 bis 80 Personen pro Waggon) gepfercht.

Griechische Jüdinnen und Juden in Auschwitz

Griechische Jüdinnen und Juden in Auschwitz

Laut den deutschen Aufzeichnungen trafen vom 20. März 1943 bis 18. August 1943 in 19 Transporten 48.533 Jüdinnen und Juden in Auschwitz ein.[12] Es gingen zudem Transporte in andere Lager, darunter Treblinka. Nur eine Minderheit der Deportierten wurde bei der Ankunft nicht gleich für die Gaskammer „selektiert“ (insgesamt 11.200, davon 4.200 Frauen und 7.000 Männer). Das lag vor allem daran, dass die Deportierten von den langen Transporten, die bis zu sieben Tage und Nächte dauerten und ohne Nahrungsmittel und Wasser durchgeführt wurden, völlig geschwächt waren.
Aus mehreren Gründen unterschied sich das Schicksal der Jüdinnen und Juden aus Salonika in Auschwitz erheblich von dem anderer jüdischer Gefangener. Im Gegensatz zu den meisten nach Auschwitz deportierten Jüdinnen und Juden, die aus Ost-, West- und Mitteleuropa stammten, waren die Jüdinnen und Juden aus Salonika nicht an die extremen Wetterbedingungen in Polen gewöhnt. Außerdem war die Kommunikation äußerst schwierig, da die Jüdinnen und Juden aus Salonika Ladino, Griechisch und Französisch sprachen, und nicht Deutsch, Jiddisch und Polnisch - die am meisten gesprochenen Sprachen in Auschwitz. Diese Gründe erschwerten die Aufnahme der Jüdinnen und Juden aus Salonika als Gefangene im Lager. Zudem verloren die meisten von ihnen ihre Angehörigen bereits durch die Selektion bei der Ankunft in Auschwitz und der darauf folgende Ermordung in den Gaskammern, was ihnen das Gefühl gab, völlig allein zu sein.
Für die Deutschen stellten diejenigen Jüdinnen und Juden aus Salonika, die die Selektion überlebt hatten, eine große und wichtige Arbeitskraft im Lager dar. Ihr berufliches Profil vor dem Krieg unterstützte sie bei der Integration in eine Reihe von Arbeiten, die ihnen von den Deutschen aufgezwungen wurden. Ihre körperlichen Fähigkeiten waren den Deutschen bekannt und so bildeten diese Gefangenen eine geschlossene Gruppe innerhalb der größeren Gruppe der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Gefangenen aus Salonika wurden beim Barackenbau und in den Krematorien von Auschwitz-Birkenau eingesetzt.
Außerdem arbeiteten sie an der Vorbereitung und der Errichtung der Fabrik in Monowitz (Auschwitz III). Andere wurden in Arbeitskommandos außerhalb des Lagers eingeteilt und mussten in Bergwerken oder auf Bauernhöfen Zwangsarbeit verrichten. Im Herbst 1943 wurden einige hundert Gefangene aus Salonika in das Arbeitslager Gesiowka, das auf den Ruinen des Warschauer Ghettos eingerichtet worden war, verschickt, wo sie gezwungen wurden, den Schutt des Ghettos wegzuräumen. Als die Rote Armee immer weiter vorrückte, wurden die griechischen Gefangenen in Arbeitslager in Deutschland gebracht.[13]

Bilder der jüdischen Gemeinde Salonikas während dem Holocaust

Salonika, Griechenland, Schwarzer Schabbat, 11. Juli 1942.

Salonika, Griechenland, Schwarzer Schabbat, 11. Juli 1942.

Salonika, Griechenland, Rauch über der Stadt zur Zeit der deutschen Invasion, 9. April 1941.

Salonika, Griechenland, Schändung jüdischer Grabsteine.

Salonika, Griechenland, ein Zertifikat des Partisanen David Benvenista.

Salonika, Griechenland, David Zion (in der Mitte stehend) mit drei anderen jungen Männern.

Salonika, Griechenland, 1942-1943, ein älteres jüdisches Paar trägt den „Judenstern”.

Moshe Owadjahs Personalausweis, Salonika, Objektsammlung, Yad Vashem, Spende von Jacob Hendli, Jerusalem.

Die Ankündigung der deutschen Invasion in einer Zeitung, 9. April 1941, Salonika, Griechenland.

Die Häftlingskleidung von Albert Mentash Tiano, der von Salonika nach Auschwitz deportiert wurde. Er überlebte und immigrierte nach dem Krieg nach Israel. Objektsammlung, Yad Vashem.

Der Gelbe Stern, den Moshe Owadjah während des Krieges tragen musste. Objektsammlung, Yad Vashem.

Zugtickets, die griechische Jüdinnen und Juden für ihre Deportation nach Auschwitz-Birkenau kaufen mussten. Mit freundlicher Genehmigung des Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim, Polen.


Jüdisches Leben in Salonika nach dem Holocaust

Jüdisches Leben in Salonika nach dem Holocaust

Schlomo Cohen wurde 1920 in Griechenland geboren. Er wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert und von der britischen Armee aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. 1946 wanderte er in Israel ein. Schlomo beschreibt seine Gedanken nach der Befreiung:
„... Sie sagten uns, wir könnten uns eintragen - entweder für die Rückkehr nach Griechenland oder die Reise nach Israel bzw. in die Vereinigten Staaten. Ich meldete mich für zwei Orte an: Griechenland und Israel, aber ich wollte nach Griechenland zurück und einige Monate abwarten; vielleicht hatte jemand aus meiner Familie überlebt ...”[14]
Als der Krieg 1945 zu Ende war, lebten in Salonika ca. 2.000 Jüdinnen und Juden (von insgesamt 10.000 in ganz Griechenland), die den Holocaust überlebt hatten. Die wenigen Überlebenden dieser wichtigen Gemeinde kehrten nach Salonika in der Hoffnung zurück, Angehörige, Verwandte und Freunde zu finden, die überlebt hatten. Die meisten Überlebenden fanden keine Verwandten mehr und es setzte sich die bittere Erkenntnis durch, dass nur wenige aus ihren Familien und der Gemeinde die Shoah überlebt hatten. Einige Überlebende kämpften um die Rückgabe ihres Familieneigentums und bauten ein neues Leben in Salonika auf. Aber die meisten begannen ihr neues Leben in Israel, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien oder Südamerika. Wie Überlebende der Shoah aus anderen Ländern, bemühten sich auch jene aus Salonika, ein neues Leben aufzubauen und eine Familie zu gründen. Diejenigen, die nach Israel einwanderten, leisteten einen aktiven Beitrag beim Aufbau ihres eigenen Landes und ihrer Gesellschaft.

Bilder nach dem Holocaust

Griechenland, ein Kind aus Salonika, welches den Holocaust überlebt hat, auf einem illegalen Immigrationsboot, 1946.

Griechenland, eine Frau und ein Baby vor ihrem Einstieg in ein illegales Immigrationsboot, 1946.

Mauthausen, Österreich, Kapas Panagiotis bei der Befreiung des Lagers am 6. Mai 1945.

Österreich, Owadjah Baruch nach der Befreiung, 20. Juni 1945.

August 1945, Alisa Zarfati-Baruch nach der Befreiung.

Salonika, Griechenland, Hochzeit von neun Paaren, die den Holocaust überlebten, Nachkriegszeit.


Über Ihre Rückmeldungen würden wir uns freuen, bitte wenden Sie sich diesbezüglich an
germany.education@yadvashem.org.il.



[1] Thessaloniki wurde von den Jüdinnen und Juden Salonika genannt, daher wird es im Folgenden hier auch so bezeichnet.
[2] „Shoah” ist ein Synonym für „Holocaust“. Shoah kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Katastrophe”. Generell meint man mit Shoah die ideologisch vorbereitete und industriell durchgeführte Vernichtung von sechs Millionen Juden und Jüdinnen während der Zeit des Nationalsozialismus.
[3] Als Conversos wurden im spanischen und portugiesischen Sprachraum zum Christentum konvertierte Jüdinnen und Juden bezeichnet.
[4] Bericht von Alfonso Levi an die 6. Abteilung der israelischen Polizei, die die Untersuchung gegen Adolf Eichmann leitete. Alfonso Levi war vor und während der deutschen Besatzung Sekretär der jüdischen Gemeinde von Salonika. Yad Vashem Archiv, TR. 3 / 237. Übersetzung: Chani Hinker.
[5] Alberto Nar: Folk Songs of the Holocaust of the Jews of Thessaloniki. In: Cultural Forum of the Jewish Community of Thessaloniki, Ir VaEm BeIsrael. (Thessaloniki: Jewish Community of Thessaloniki, 2004), 41.
[6] Die Jungtürken waren eine politische Bewegung im Osmanischen Reich, die seit 1876 auf liberale Reformen und eine konstitutionelle Staatsform hinarbeitete.
[7] Bezeichnung für iberische Volks- und Kunstlieder, im engeren Sinne für die rund 2000 hauptsächlich in den drei großen Cancioneiros des 14. und 15. Jahrhunderts gesammelten Zeugnisse der galizischen-portugiesischen Lyrik des Mittelalters.
[8] Bei den Flüchtlingen handelte es sich um zehntausende griechische Flüchtlinge aus Anatolien, die im Zuge des Bevölkerungsaustausches zwischen Moslems und Christen, der im Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 festgelegt wurde, nach Salonika strömten. Im Vertrag wurde die Religionszugehörigkeit als Kriterium für die nationale Zugehörigkeit und damit für die Umsiedlung festgelegt.
[9] Ya'acov (Jack) Handeli: A Greek Jew From Salonika remembers. Jerusalem 1992. Auf den folgenden Links sind Ausschnitte aus einem Zeitzeugengespräch mit Jackie Handaly auf Englisch zu sehen: Teil 1, Teil 2, Teil 3
[10] Rivlin, B. [Herausgeber]: Book of Communities - Greece, Thessaloniki (Pinkas HaKehilot, Yad Vashem, Jerusalem 1998), S. 276 - 282.
[11] Das Baron Hirsch Viertel in Salonika war eines der drei Stadtviertel, in denen im Februar 1943 Ghettos errichtet wurden. Das Baron Hirsch Ghetto war gleichzeitig ein Transitlager, das direkt neben dem Bahnhof lag. Von dort aus wurde die jüdische Bevölkerung nach Auschwitz deportiert.
[12] Esther Benbassa / Aron Rodrigue: The Jews of the Balkans: The Judeo-Spanish Community, 15th to 20th Centuries, Oxford 1995, S. 169.
[13] Rivlin, B. [Editor]: Book of Communities - Greece, Thessaloniki (Pinkas HakeHilot, Yad Vashem, Jerusalem, 1998), 276-282.
[14] Yehudit Kleiman und Nina Springer-Aharoni: The Anguish of Liberation - Testimonies from 1945, Yad Vashem.