Das Internationale Institut für Holocaust-Forschung

Das Projekt „Untold Stories“ (Nicht erzählte Geschichten)

The Untold Stories: The Murder Sites of the Jews in the Occupied Territories of the Former USSR „Untold Stories“ (Nicht erzählte Geschichten)
(auf Englisch)

Der Massenmord an den Juden in den besetzten Gebieten der damaligen Sowjetunion begann mit der deutschen Invasion am 22. Juni 1941. Den Kampfeinheiten der Wehrmacht folgten vier SS-Todesschwadronen (Einsatzgruppen A, B, C und D), deren Aufgabe darin bestand, alle Juden – Männer, Frauen und Kinder – sofort umzubringen. Tag für Tag, mit der Unterstützung lokaler Kollaborateure, führten die Einsatzgruppen ihre Aufgabe aus – ohne Hemmungen und ohne Kompromisse. Von den baltischen Staaten im Norden – Litauen, Lettland und Estland – über Weißrussland (Belarus), Russland und die Ukraine bis hinunter zu den Grenzen der kaukasischen Regionen im Süden durchkämmten sie jeden eroberten Landstrich nach Juden und ermordeten jeden, der in ihre Hände fiel.
Oft wurden an einem einzigen Tag ganze Familien – Großeltern, Eltern und Kinder – ausgelöscht. Man tötete sie in Wäldern, auf jüdischen Friedhöfen, in Panzerabwehrgräben, an Flussufern und in den Flüssen selbst  und auch in Gruben, die größtenteils von den Opfern selbst gegraben wurden. Diese Gräueltaten wurden in ihrem ganzen Ausmaß erst aufgedeckt, als die „Außerordentliche Staatliche Kommission“ der Sowjetunion nach Kriegsende begann, die Naziverbrechen zu untersuchen, und dabei feststellte, dass ganze jüdische Gemeinden vollständig vernichtet worden waren. Oft waren es Nachbarn – unter ihnen Kollaborateure – die vom Schicksal dieser Gemeinden berichteten, manchmal die wenigen Juden, die die Mordaktionen überlebt hatten und in der Lage waren, von ihren Erlebnissen zu berichten.

Im Projekt „Untold Stories“ werden die Schicksale kleinerer und größerer Gemeinden beschrieben und die benachbarten Exekutionsstätten in den von den Deutschen besetzten Gebieten der damaligen Sowjetunion dokumentiert. Von außerordentlicher Bedeutung sind auch die Beschreibungen lokaler Bemühungen, der ermordeten Juden zu gedenken.
Yad Vashems Internationales Institut für Holocaust-Forschung hat eine überwältigende Anzahl von wichtigen Dokumenten, Fotos und Zeugenaussagen identifiziert und erforscht, so dass dieser bisher relativ vernachlässigte Teil der Geschichte des Holocaust nun erzählt werden kann.

Zur Zeit bietet die Website Informationen über das Schicksal der Juden aus Orten in der Ukraine, Weißrussland, Litauen, Lettland und Russland, die an vielen verschiedenen Exekutionsstätten dem Massenmord zum Opfer fielen. Auch zeigt sie die umfangreiche Erinnerungsarbeit, die Juden nach dem Krieg für die Opfer des Holocaust leisteten. Alle geographischen Bezeichnungen erscheinen, wie in den offiziellen Volkszählungen aus der Vorkriegszeit angegeben.

Zur Gestaltung dieser Website wurde eine beträchtliche Anzahl von Dokumenten, Fotografien und Videomaterialien aus dem Yad Vashem Archiv und anderen Archiven benutzt, einschließlich der auf Video aufgezeichneten Interviews mit Überlebenden, die von der USC Holocaust-Stiftung für visuelle Geschichte und Bildung (USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Erziehung) geführt wurden, sowie aus privaten Sammlungen. Darüber hinaus wurde von Erkenntnissen aus der Holocaust-Forschung, Memoiren sowie jiddisch-, russisch- und hebräischsprachigen Zeitungen Gebrauch gemacht.

Die drei thematischen Hauptbereiche dieser Website berichten prägnant und informativ über:
Gemeinschaft: das Leben der Juden vor dem Krieg je nach ihrem Standort und ihr Schicksal in den Jahren der Besetzung durch die Nazis
Exekutionsstätten: die Mordaktionen, die Täter und die Orte, an denen Juden von den Nazis und ihren lokalen Kollaborateuren getötet wurden
Erinnerungsarbeit: Aktivitäten nach dem Krieg zum Gedenken der Holocaust-Opfer

Jeder der drei Bereiche enthält umfassendes Begleitmaterial, das unter „Verwandte Quellen“ gefunden werden kann. Die Quellen im Bereich „Gemeinschaft“ enthalten eine „Liste der jüdischen Opfer“ und Geschichten von „Gerechten unter den Völkern“. Das Begleitmaterial zu den Exekutionsstätten umfasst Augenzeugenberichte und Dokumente mit Überschriften wie „Sowjetische Berichte“, „Schriftliche Zeugenaussagen“, „Schriftliche Berichte“ und „Deutsche Berichte“. Die weiterführenden Ressourcen zum Thema „Erinnerungsarbeit“ enthalten schriftliche Zeugnisse und Informationen aus der Zentralen Datenbank der Namen der Holocaustopfer („Gedenkblätter“). Jeder Bereich wird durch Videos ergänzt.

Während bei der Vorbereitung der Website alle vorhandenen themenbezogenen Materialien verwendet wurden, erscheinen auf der fertiggestellten Website nur die wichtigsten, die von allgemeinem Interesse sind. Materialien, die eng miteinander verknüpft sind, sich jedoch in Genre und Herkunft voneinander unterscheiden, erscheinen manchmal in unterschiedlichen Bereichen der Website, um einen Gesamteindruck der Themen und Ereignisse herzustellen. Manchmal widersprechen sich die Informationen in den Quellen (z.B. die Daten der Erschießungen oder die Anzahl der Getöteten). In solchen Fällen werden die Texte aller Informationsquellen auf der Website angezeigt, was die Komplexität eines Projekts dieser Art illustriert. Wir sind dankbar für Korrekturen und Ergänzungen, die uns helfen, widersprüchliche Angaben zu klären und der Gesamtheit der Geschehnisse weitere Einzelheiten hinzuzufügen.